Kritischer Konsum

Einkauf & Verantwortung

Naturland (fair)

Naturland (fair)
Der Naturland e. V. ist ein basisdemokratischer Bauernverband, der 1982 in Gräfelfing bei München gegründet wurde. Die Richtlinien von Naturland verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz, der nachhaltiges Wirtschaften, praktizierten Natur- und Klimaschutz, Sicherung und Erhalt von Boden, Luft und Wasser sowie den Schutz der Verbraucher*innen umfasst. Die Betriebe müssen komplett nach den Richtlinien umgestellt werden. „NATURLAND Lebensmittel“ beinhaltet die Regeln der EG-Öko-Verordnung ( EU-Bio) und geht über diese hinaus. Die freiwillige Zertifizierung „NATURLAND fair“ zeichnet Produkte aus, die zusätzlich aus fair gehandelten Zutaten bestehen. „NATURLAND Textil“ kennzeichnet Bio-Textilien und andere Naturfasern. Das Siegel deckt alle Schritte von der Produktion der Naturfaser bis zum Endprodukt ab.

Bewertung

Skala: = anspruchsvoll; = gut; = mittelmäßig; = unzureichend; = mangelhaft; = kein Fokus. Basierend auf einer Untersuchung aus den Jahren 2016/2017.

Die ökologischen Standards von Naturland sind anspruchsvoll, die sozialen Kriterien sind nur befriedigend. Weder wird die Zahlung existenzsichernder Löhne gefordert, noch das Recht auf Vereinigungsfreiheit aktiv unterstützt. Zudem wird die Einhaltung von Grenzwerten bei CO2-Emissionen nicht gefordert. Positiv zu werten ist die Glaubwürdigkeit und die Weiterentwicklung der Kriterien in einem demokratischen Prozess, bei dem verschiedene Interessengruppen einbezogen werden. Naturland fair zertifiziert auch regionale Produkte und inländischen Handel. Ein Wirkungsmonitoring existiert nicht, aber Naturland unterstützt die Erarbeitung von Wirksamkeitsberichten und -studien im Bereich Öko-Landbau und Fairer Handel. Naturland gilt als Best-Practise-Beispiel im Bereich Ökologie.

Welche Kriterien erfüllt das Label

Glaubwürdigkeit
Organisationsstruktur
  • Die Organisationsstruktur ist öffentlich zugänglich. Eine ausgewogene Vertretung von verschiedenen Interessengruppen in Entscheidungsgremien ist vorhanden.
Wirksamkeit, Monitoring und Risikoanalysen
  • Das System prüft die Wirkung, aber nicht anhand festgelegter anspruchsvoller Indikatoren.
  • Es wird eine Wirkungsanalyse durchgeführt, deren Ergebnisse öffentlich zugänglich sind.
  • Den auditierten Unternehmen wird die Einhaltung menschenrechtlicher Sorgfaltspflichten (human rights due diligence) und die systematische Risikobewertungen empfohlen, aber die Umsetzung nicht sytematisch geprüft.
Nachhaltigkeitsaudits
  • Audits (Überprüfungen) werden von Dritten durchgeführt oder es findet eine unabhängige Verifizierung statt.
Stakeholder participation
  • Die Prüfer*innen sind verpflichtet während des Prüfprozesses Informationen externer lokaler Interessengruppen wie Gewerkschaften und NROs einzubeziehen.
Rückverfolgbarkeit, Transparenz und Verbraucherkommunikation
  • Es wird eine vollständige Rückverfolgbarkeit von Produkten und Inhaltsstoffen entlang der gesamten Wertschöpfungskette gewährleistet, aber die Informationen sind nicht öffentlich zugänglich.
  • Audit-Berichte (Prüfberichte) sind nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, es gibt jedoch eine veröffentlichte allgemeine Zusammenfassung des Berichts und/oder der Audit-Ergebnisse (Prüfergebnisse).
  • Ein Produkt kann nur zertifiziert werden, wenn zumindest 95 % des Rohmaterials geprüft ist.
Ökologie
Use of chemicals and pesticides
  • Der Einsatz gefährlicher Chemikalien ist untersagt.
  • Der Einsatz synthetischer Chemikalien ist untersagt.
Eco-friendly production
  • Der Standard fordert einen integrierten Ansatz zum Bodenschutz mit einem Maßnahmenpaket wie Wechselwirtschaft oder anderen Maßnahmen wie Konturpflügen, Windschutz oder Direktsaat.
  • Der Einsatz von GVO (gentechnisch veränderten Organismen) ist in der gesamten Lieferkette untersagt (einschließlich als Futtermittel in tierischen Produkten).
  • Das Zertifizierungssystem verlangt die Durchführung einer regelmäßigen UVP (Umweltverträglichkeitsprüfung).
Water/Energy Use and Emissions
  • Die Überwachung und effiziente Nutzung von Wasser ist verpflichtend.
  • Die Überwachung des Energieverbrauchs und/oder von Treibhausgas(THG)-Emissionen ist erforderlich.
Soziales
Living wage / decent income
  • Der Standards gilt für alle Arbeitskräfte, auch für Saisonarbeiter*innen und Subunternehmer.
Freedom of Association and collective bargaining / complains mechanism
  • Alle ILO-Kernarbeitsnormen sind verpflichtend.
  • Versammlungsfreiheit und Kollektivverhandlungen werden durch einzelne Aktivitäten gefördert.
Business Practice and Ethical Issues
  • Es gibt Aus- und Weiterbildungsangebote für Arbeitnehmer*innen im Umgang und Kontakt mit Chemikalien und Sicherheit am Arbeitsplatz.
  • Der Standard fordert verantwortungsbewusste Einkaufspraktiken von den Unternehmen.