Nicaragua und die Zukunft linker Politik

19:00 bis 14:00 Uhr / 05.04.2019 - 07.04.2019
Berlin

Utopie und Verfall emanzipatorischer Gesellschaftsentwürfe

Die Konferenz ist unterteilt in eine Abendveranstaltung am Freitg, den 5. April 19:00 Uhr in der Kulturmarkthalle, Hanns-Eisler-Str. 93, Berlin und die Konferenz am 6. und 7. April im Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, Berlin

Nicaragua hat sich vom weltweiten Symbol eines erfolgreichen revolutionären Kampfes gegen die Diktatur 1979 zu einer neu-en Diktatur entwickelt. Im Bündnis mit Kirche und Unternehmern kontrollierte die Regierung der FSLN (Frente Sandinista de Liberación Nacional) unter Daniel Ortega weite Bereiche der Gesellschaft. Das Regime verfolgt einen neoliberalen Wirtschaftskurs, demokratische Freiheiten existieren nur auf dem Papier, Staat und Partei sind längst verschmolzen.

Gegen diese autoritären und paternalistischen Entwicklungen begehrten im April 2018 zunächst Studierende auf, denen sich schnell andere Gruppen anschlossen. Die blutige Antwort des Regimes auf die ersten Demonstrationen brachte Hunderttau-sende auf die Straße. Seit Ausbruch der Proteste wurden über 320 Menschen getötet, Tausende verletzt, gut 60.000 Menschen sind vor der Verfolgung des Regimes ins Exil geflohen. Zuletzt wurde zahlreichen Organisationen die Rechtsfähigkeit entzogen, was nicht nur ein faktisches Verbot, sondern auch eine Form der Kriminalisierung zivilgesellschaftlicher Arbeit bedeutet. Diese neue Qualität der Gewalt offenbart, worauf regierungskritische Stimmen in Nicaragua schon lange hinweisen: Die einstige Revolutionspartei FSLN hat ihren emanzipatorischen Charakter verloren und Präsident Daniel Ortega hat das Land erneut in eine Diktatur gestürzt.

Dabei fordern die Protestierenden nicht nur den Rücktritt Ortegas, sondern entwerfen zugleich neue Gesellschaftskonzepte von unten. Wie können diese Entwürfe zusammengefasst wer-den und welche Anschlüsse bieten sie für linke Utopien über den Kontext Nicaraguas hinaus? Die Regierung Ortega hat sich selbst den „progressiven Regierungen“ zugeschrieben, die im Lateinamerika der letzten Dekaden hegemonial waren.

Auch deshalb wirft die Situation in Nicaragua Fragen auf, die weit über das Land hinausweisen: Fragen nach dem Verhältnis von Partei, Staat und Bewegung, nach dem Stellenwert von Demokratie und Freiheitsrechten, nach Solidarität, alternativen Entwicklungsmodellen und feministischen Perspektiven. Aus-gehend von den Erfahrungen in Nicaragua und Lateinamerika bringt die Konferenz auf fünf Podien und weiteren kleineren Workshops Aktivist*innen aus Nicaragua, Lateinamerika und Deutschland zusammen, um über Utopie und Zerfall emanzipatorischer Gesellschaftsentwürfe zu diskutieren.
mit:

Programm der Konferenz

Termin teilen

Haus der Demokratie & Menschenrechte, Greifswalder Straße, Berlin, Deutschland