Agrar & Umwelt

Schmutzige grüne Energie

Menschenrechtler*innen kritisieren Vorgehen beim Bau von Solarparks

September 2018 / Text: Christoph Ohrem

Foto: Petra Sorge

In Honduras entstehen gerade an vielen Orten Solarenergieparks. Große Felder mit Panelen, die Unternehmen ohne Rücksicht auf die ansässige Bevölkerung installieren. Finanziert werden sie häufig mit europäischem Kapital. In Europa erscheinen sie als gute Investition in ökologisch sinnvolle Projekte. Doch die Regierung in Honduras bezieht betroffene Gemeinden nicht in die Entscheidungen mit ein. Die Landbevölkerung wird vor vollendete Tatsachen gestellt – und lebt oftmals ohne Strom und in bitterer Armut in Rufweite der Anlagen. Das kritisieren Eli Portíello und Karen Ponce, Mitglieder des Anwält*innen-Netzwerks „Red de Abogados“. Christoph Ohrem traf sie für presente am Zaun zu einem der Solarparks bei Choluteca.

Welchen Schwierigkeiten sehen sich die Menschen hier ausgesetzt?

Portíello: Diese Region ist geprägt durch extreme Hitze. Den Menschen fehlt es an Wasser. Zusätzlich dazu werden für Anlagen in großem Stile Bäume gefällt, was auch Auswirkungen auf die umliegenden Gemeinden hat.

Wie nachhaltig sind die Umweltschäden?

Portíello: Es werden neue Bäume angepflanzt. Aber es ist nicht sicher, dass die Pflanzen überleben. Wir glauben, dass der Schaden nicht wieder rückgängig zu machen ist. Nicht nur, weil es hier große Probleme bei der Wasserversorgung gibt. Das wenige Wasser, das es gibt, nutzen die Betreiber der Solaranlagen häufig, um die Panele zu waschen. Das ist alles sehr ungerecht. Bei diesem Projekt hier hatten wir keinerlei Mitspracherecht. Sie haben den Anwohner*innen erzählt, dass durch den Bau der Solaranlage alles besser werden würde. Sie haben aber nichts von den Konsequenzen und Risiken erwähnt.

Ist Solarenergie also in Honduras generell zu verurteilen?

Portíello: Wir sind nicht gegen Solarenergie. Das ist eine sehr saubere Energie. Nur ist diese Energie nicht für die Gemeinden hier bestimmt. Sie wird exportiert in andere Länder. Wir sind die größten Produzent*innen dieser Energie in Zentralamerika. Aber wir als Bürger*innen müssen die Energie viel teurer wieder zurückkaufen. Wir produzieren hier und kaufen woanders teuer zurück. Wir sehen von den Vorteilen dieser Anlage nichts. Die Gemeinden hier profitieren nicht. Niemand landesweit. Alles geht an die Unternehmen. Nichts an die Gemeinden.

Handelt es sich also eher um schmutzige als wirklich saubere Energie?

Portíello: Ja, das kann man sagen. Natürlich ist sie sauber, weil sie keine starke Verschmutzung schafft. Aber die Menschen hier kennen sehr wohl die Konsequenzen davon, neben diesen Anlagen zu wohnen. Einige Menschen wissen von dieser Ungerechtigkeit und sagen: Was nützt es schon zu protestieren und anzuklagen, da sich eh nichts ändern wird. Wir aber solidarisieren uns mit den Menschen, die sich wehren. Als Anwält*innen werden wir vor die höchsten Instanzen ziehen.

Was möchten Sie Menschen sagen, die diese saubere Energie für ihr gutes Gewissen nutzen?

Portíello: Wir wissen, dass in den industrialisierten Ländern sehr respektvoll mit der Natur umgegangen wird. Wir wünschen uns, dass die Länder den Unternehmen ins Gewissen reden, die hier in Honduras investieren. Wir haben Kenntnis davon, dass die Regierung in Norwegen an diesem Projekt beteiligt ist. Und dass sie sich sehr um Umweltschutz bemüht. Es ist jetzt die Frage, ob sie einfach nicht weiß, was hier passiert. Oder ob sie einfach die Umwelt nur zu Hause schützt. Es geht uns darum, einen Weckruf zu formulieren.

Wird sich die Situation auf lange Sicht ändern?

Portíello: Wir haben Hoffnung. Nicht unbedingt immer darauf, die Projekte ganz zu verhindern. Aber wir versuchen, das Beste für die Gemeinden herauszuholen. Sie nutzen unser Land. Sie nutzen unsere Sonne. Wir sind die Produzenten dieser Energie und doch müssen wir sie teuer erkaufen.

Berichten denn die Medien über Umweltprobleme in Honduras?

Ponce: Über solche Vorfälle berichten nur unabhängige Medien. Die Regierung reagiert normalerweise mit Repression. Auch in den sozialen Medien wie Facebook. Dort werden dann Seiten geschlossen. Das können wir nicht gutheißen. Wir sind junge Menschen und nutzen diese Medien, um Ungerechtigkeiten anzuprangern. Um den Kampf sichtbar zu machen. Es ist ja nicht so, dass wir gegen diese Projekte sind. Wir möchten nur, dass sie sich an die Regeln halten, die Menschenrechte respektieren.

Inwiefern hat Korruption damit zu tun, dass solche Vorfälle entstehen können?

Ponce: Das Krebsgeschwür in Honduras ist Korruption. Wenn wir eine Regierung hätten, die für das Volk wäre, dann würden wir nicht mit dieser Realität konfrontiert. Es ist ein Traum für uns, das durchzusetzen. Dafür kämpfen wir. Wir haben Hoffnung, dass sich die Dinge ändern. Wir sind eine neue Generation, die beobachtet, die die Effekte sieht und etwas ändern möchte. Eine, die aufsteht und sich wehrt – und studiert. Wir möchten einfach nicht, dass diese Regierung und diese Unternehmen hier bleiben, deshalb recherchieren wir und handeln. Wir veröffentlichen unsere Informationen, was unser größter Beitrag zum Umschwung ist.