Öffentliche Beschaffung - Blumen

Fair flowers
Mit Blumen für Menschenrechte
Blumen, vor allem Schnittblumen, werden zunehmend aus Afrika, Lateinamerika und Asien nach Deutschland importiert. Kenia, Kolumbien und Ecuador zählen zu den wichtigsten Blumenproduzenten für den europäischen Markt außerhalb der Europäischen Union. Rund 30 Prozent der Schnittblumen werden aus Ländern um den Äquator nach Deutschland importiert. Viele von ihnen werden über die Handelsdrehscheibe Niederlande eingeführt. Nicht jede Blume, die ein Großhändler in den Niederlanden gekauft hat ist auch dort gewachsen.
Die Verlagerung der Blumenproduktion in Entwicklungsländer liegt nicht nur daran, dass dort das Klima für die Pflanzen günstiger ist als in Europa. Dort sind die Löhne niedriger, die Auflagen für den Umweltschutz geringer und die Einhaltung der Rechte der ArbeiterInnen werden nicht so streng kontrolliert wie in Europa. Die Folgen sind bekannt.
BlumenarbeiterInnen arbeiten für Hungerlöhne, die nicht einmal für eine angemessene Ernährung ausreichen. Sie riskieren ihre Entlassung, wenn sie sich gewerkschaftlich organisieren und häufig machen sie unbezahlte Überstunden. Sie sind hochgiftigen Pestiziden ausgesetzt, denn es gibt in der EU keine Grenzwerte für Pestizidrückstände auf Blumen. Etwa 60 Prozent der BlumenarbeiterInnen sind Frauen. Viele berichten über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. So müssen sie ihren männlichen Vorgesetzten sexuell gefällig sein, um befördert zu werden oder Urlaub zu bekommen.
Die industrielle Blumenproduktion trägt in großem Ausmaß zur Umweltverschmutzung in den entsprechenden Entwicklungsländern bei. Pestizidverseuchte Abwässer werden ungeklärt in Böden und Seen abgelassen. Die Plastikplanen der Gewächshäuser werden meist nicht fachgerecht entsorgt, ebenso wenig die leeren Pestizidbehälter. Die Schnittblumenproduktion benötigt dazu enorm viel Wasser. Dies hat zum Beispiel in der Hochebene von Bogotá, der Hauptstadt Kolumbiens, zu einer dramatischen Absenkung des Grundwassers geführt, so dass einige Gemeinden jetzt per Tankwagen mit Wasser versorgt werden müssen. In Kenia droht der Naivasha-See auszutrocknen, aus dem die größten kenianischen Blumenfarmen ihr Wasser entnehmen.
Bei der Klimabilanz schneidet die Produktion in Entwicklungsländern dagegen besser ab als die Aufzucht in beheizten Gewächshäusern in Europa. Letztere stößt mehr klimaschädliches CO2 aus, als die Produktion in Kenia oder Ecuador und der Transport per Flugzeug nach Europa zusammen.
Der Internationale Verhaltenskodex
Um gegen diese Rechtsverletzungen in der globalen Blumenproduktion anzugehen, haben Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften aus Europa in Zusammenarbeit mit ihren Partnerorganisationen in Afrika und Lateinamerika den Internationalen Verhaltenskodex für sozial- und umweltverantwortliche Blumenproduktion entwickelt, den so genannten ICC (International Code of Conduct). Dieser basiert auf den internationalen Menschenrechtspakten und den Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation. Darüber hinaus bezieht er sich bei der Verwendung von Pestiziden auf deren Eingruppierungen nach ihrer Giftigkeit der Weltgesundheitsorganisation und der US-amerikanischen Umweltbehörde. Der ICC gilt als der strengste Kodex in der Blumenproduktion. Er umfasst detaillierte Regelungen zu den folgenden zehn Prinzipien:
1. Gewerkschafts- und Tariffreiheit
2. Gleichbehandlungsgrundsatz und Verbot der Diskriminierung
3. Existenz sichernde Löhne
4. Geregelte Arbeitszeiten
5. Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz
6. Verantwortlicher Umgang mit Chemikalien
7. Sicherheit des Arbeitsplatzes
8. Umweltschutz
9. Verbot von ausbeuterischer Kinderarbeit
10. Verbot von Zwangsarbeit
Der ICC wird von zwei Zertifizierungsorganisationen glaubwürdig umgesetzt: dem Flower Label Program (FLP) und FLO-Cert.
Das FLP ist eine Zertifizierungsorganisation und gleichzeitig auch ein Gütesiegel für den Verbrauchermarkt. Blumen mit FLP-Siegel erhalten Sie in Deutschland bei über 1.000 FloristInnen und über einige Online-Versandfirmen. Eine Liste aller Anbieter, die FLP-Blumen führen, finden sie auf der Internetseite des FLP (www.fairflowers.de). Darüber hinaus bietet FLP auch zertifizierte Ware aus Ihrer Region und aus organisch-biologischem Anbau an. Es gibt sowohl Schnittblumen als auch Topfpflanzen mit FLP-Siegel. FLP-Blumen sind nicht teurer als nicht-zertifizierte Blumen gleicher Sorte und Qualität, da von der Organisation kein Aufpreis verlangt wird.
Blumenbetriebe, die von FLO-Cert zertifiziert sind, können ihre Ware unter dem Faitrade-Siegel vermarkten. Bisher gibt es ausschließlich Rosen mit Fairtrade-Siegel, die entweder aus Ostafrika oder Lateinamerika stammen. Sie erhalten sie in Supermärkten, bei Floristenketten und bei einem Online-Versand. Auf der Internetseite von Transfair (www.transfair.org) können Sie nach einer Bezugsquelle in Ihrer Nähe suchen. Fairtrade-Rosen sind etwas teurer als Rosen gleicher Qualität. Mit einem Teil des Preisaufschlags werden soziale Projekte für die ArbeiterInnen der Blumenfarmen durchgeführt.
Blumen in der öffentlichen Vergabepraxis
In der Regel werden Blumen von öffentlichen Einrichtungen nur in kleinen Mengen gekauft. Ein Blumenstrauß zu einem Jubiläum, Blumengestecke als Dekoration für das Trauzimmer oder bei offiziellen Empfängen, Topfblumen zum Schmuck städtischer Gebäude. Die Beträge, die dafür ausgegeben werden, machen selten eine öffentliche Ausschreibung notwendig. Viele große Städte haben zudem eigene Gärtnereien, aus denen sie ihren Bedarf überwiegend selbst decken.
Blumen werden in der Regel nicht über eine zentrale Beschaffungsstelle gekauft, sondern von einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter der direkt zuständigen Abteilung der Verwaltung gekauft. Daher ist es nötig, dass nicht nur die beschaffende Fachstelle, sondern die gesamte Verwaltung über einen Beschluss für eine öko-soziale Vergabepraxis informiert und hinsichtlich des fairen Handels sensibilisiert werden muss. Die Verwaltung kann darüber hinaus die örtlichen Blumengeschäfte auf ihren Beschluss hinweisen, um sie so zu animieren, FLP- oder Fairtradeblumen in ihr Sortiment aufzunehmen.
(Text: Gertrud Falk, FIAN Deutschland, aus: Öko-soziale Beschaffung jetzt! Ein Leitfaden für lokale Initiativen. Hrsg.: CIR, CorA, FIAN, u.a., 2010)



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