27. März 2026
Wie sozial nachhaltig ist die internationale Berufsbekleidungsindustrie? Mit dieser Frage hat sich die aktuelle Unternehmensbefragung beschäftigt. (Foto: sergeyryzhov/Canva.com)
Wie steht es um die Einhaltung von Sozialstandards bei der Produktion von Berufsbekleidung? Dieser Frage ging die Romero Initiative mit einer neu aufgelegten Unternehmensbefragung nach. Denn: Viele Unternehmen lassen ihre Produkte noch immer in Niedriglohnländern wie China, Bangladesch oder Tunesien herstellen, in deren Nähfabriken häufig Arbeits- und Menschenrechte verletzt werden.
Öffentliche Auftraggeber, die mit Steuergeldern Berufsbekleidung wie Arbeitshosen, Polizeiuniformen oder Brandschutzkleidung einkaufen, tragen hier eine besondere Verantwortung und sollten ihrer staatlichen Schutzpflicht zur Einhaltung dieser grundlegenden Rechte nachkommen. Für eine eben solche sozial verantwortliche öffentliche Beschaffung setzt sich die Romero Initiative seit mehr als zehn Jahren ein und hat bereits 2016 ein Pilotprojekt mit der Stadt Dortmund durchgeführt.
Mit der aktuellen Befragung wollten wir herausfinden, welche sozialen Anforderungen die öffentliche Hand an Unternehmen stellt und inwieweit sich diese auf deren Lieferkettenverantwortung auswirken. Darüber hinaus war es unser Ziel, öffentlichen Vergabestellen und privaten Kund*innen vergleichbare Informationen zugänglich zu machen.
Lesen Sie jetzt die gesamte Unternehmensbefragung zu Sozialstandards in der Berufsbekleidungsindustrie (2025) und machen Sie sich schlau über die aktuellen Nachhaltigkeitsbemühungen der Branche.
Die Einhaltung sozialer Standards entlang der Lieferkette scheinen die 21 Unternehmen, die an der Befragung teilgenommen haben, als durchaus wichtig zu erachten. Zumindest suggeriert dies die Abfrage der für sie relevantesten Nachhaltigkeitskriterien: Neben anderen Nachhaltigkeitsaspekten belegen soziale Maßstäbe, wie die Einhaltung der Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie die Zahlung existenzsichernder Löhne, die Plätze zwei, drei und fünf.
Anders als noch in der letzten Befragung von 2018 verfügen die meisten Unternehmen inzwischen über einen öffentlich zugänglichen Verhaltenskodex, in dem sie sich zu bestimmten (unterschiedlich hohen) Standards im Bereich Unternehmensverantwortung verpflichten – darunter Vereinigungsfreiheit, Verbot von Diskriminierung sowie Ausschluss von Kinder- und Zwangsarbeit. Bei der Umsetzung des Kodex und der transparenten Darstellung von Maßnahmen scheinen viele der befragten Unternehmen jedoch hinter ihren eigenen Ansprüchen zurückzubleiben: Glaubwürdige Strategien oder Pilotprojekte für die Zahlung existenzsichernder Löhne verfolgen beispielsweise erst wenige Unternehmen.
Überraschend ist die fast uneingeschränkte Unterstützung einer verbindlichen Regelung menschenrechtlicher und umweltbezogener Sorgfaltspflichten – entgegen der verbreiteten Narrative von ausufernder Bürokratie durch z. B. das Lieferkettengesetz.
“Wir befürworten eine verbindliche gesetzliche Regelung menschenrechtlicher und umweltbezogener Sorgfaltspflichten. Verbindliche Rahmenbedingungen schaffen gleiche Wettbewerbsbedingungen und fördern verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln entlang globaler Lieferketten.” – CWS Workwear
Es sind positive Entwicklungen in der Berufsbekleidungsbranche zu erkennen. Nicht zuletzt das Lieferkettengesetz und das Engagement der öffentlichen Hand, die zunehmend glaubwürdige Nachweise für die Einhaltung von Sozialstandards verlangt, haben hierzu wichtige Beiträge geleistet.
Doch erst wenn noch mehr Bekleidungshersteller tatsächlich Verantwortung für ihre Lieferketten übernehmen und sich unabhängig überprüfen lassen, werden die Veränderungen auch bei den Näher*innen vor Ort ankommen. Daher müssen Beschaffer*innen von Bund, Ländern und Kommunen hohe, möglichst einheitliche Anforderungen an die Unternehmen stellen und das Gespräch mit ihnen suchen, um gemeinsam an Verbesserungen zu arbeiten.
Das derzeitige Anheben von Wertgrenzen in vielen Bundesländern, um Vergabeverfahren womöglich auf Kosten von Nachhaltigkeit zu vereinfachen, können Kommunen auch positiv für eine nachhaltige Beschaffung nutzen: Indem sie Aufträge direkt an Unternehmen vergeben, die bestimmte höhere soziale Standards bereits erfüllen.

Lesen Sie ergänzend dazu „Kommunale Freiheiten nutzen – Nachhaltigkeit fördern! Handreichung zur nachhaltigen Beschaffung in Satzungen und Dienstanweisungen“. Diese Hilfestellung bietet konkrete und juristisch überprüfte Formulierungen, um eine nachhaltige Vergabe rechtssicher zu gestalten.
In unserem neuen Factsheet „Berufsbekleidung beschaffen: So wird’s fair!“ erhalten Sie zudem auf einen Blick die wichtigsten Infos zum Thema sozial verantwortliche öffentliche Beschaffung von Berufsbekleidung sowie Praxistipps für die erfolgreiche Umsetzung.

Ich bin für Ihre Fragen da:
Christian Wimberger
2. Bereichsleitung Inland/Kampagnen
Referent für Guatemala und Unternehmensverantwortung
wimberger@ci-romero.de
Telefon: 0251 - 674413-21
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