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Nachhaltig, fair, verantwortungsvoll – so präsentieren sich immer mehr Gütesiegel für Lebensmittel und Textilien. Sie prangen auf Verpackungen, beeinflussen Kaufentscheidungen und vermitteln das Gefühl, mit dem eigenen Einkauf Umwelt und Menschenrechte zu stärken. Doch wie belastbar sind diese Versprechen tatsächlich?
Begriffe wie „öko“, „bio“ oder „fair“ sind allgegenwärtig, denn Nachhaltigkeit ist für viele Menschen zu einem zentralen Kaufkriterium geworden. Laut dem IFH-Handelsreport 2024 verlassen sich rund zwei Drittel der Verbraucher*innen in Deutschland beim Einkauf auf Nachhaltigkeitslabels. Gleichzeitig wächst das Geschäft mit den Gütesiegel rasant: Der Ecolabel Index zählt inzwischen mehr als 450 aktive Nachhaltigkeitslabels weltweit.
Um hier Orientierung zu schaffen, überprüft die Romero Initiative (CIR) mit der Neuauflage ihres Labelguides erneut bekannte Siegel für Lebensmittel und Kleidung. Untersucht werden sowohl soziale und ökologische Standards als auch die Glaubwürdigkeit der Kontrollen. Die dritte, vollständig überarbeitete Neuauflage des Wegweisers zeigt deutlich: Nicht jedes Siegel hält, was es verspricht. “Labels suggerieren Sicherheit, die sie in vielen Fällen aber nicht bieten können”, warnt Sandra Dusch Silva, CIR-Referentin für nachhaltige Lieferketten.
Aktuelle Beispiele verdeutlichen, dass Zertifizierungen allein keinen wirksamen Schutz vor Menschenrechts- und Umweltverstößen garantieren. So wurde das honduranische Palmölunternehmen Corporación Dinant im Jahr 2024 vom Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) als nachhaltig zertifiziert – trotz anhaltender Vorwürfe zu Menschenrechtsverletzungen, Landraub und dem Einsatz paramilitärischer Gewalt (CIR berichtete). Und das ist leider kein Einzelfall. Auf Rainforest-Alliance-zertifizierten Kaffeeplantagen in Brasilien wurden 2021 und 2022 mindestens 24 Menschen aus sklavereiähnlichen Arbeitsverhältnissen befreit. „Wenn Unternehmen mit solchen Vorwürfen trotzdem als nachhaltig zertifiziert werden, untergräbt das das Vertrauen in das ganze Label-System”, so Dusch Silva.
Ein zentrales Bewertungskriterium der CIR ist Transparenz. Denn hohe Standards zu formulieren ist einfach – entscheidend ist, ob ihre Einhaltung nachvollziehbar und überprüfbar ist. In der Praxis klaffen die Versprechen auf Verpackungen und die Realität in den Lieferketten jedoch oft weit auseinander.
Die CIR bewertet mit der neu aufgelegten Studie erstmals auch Handelsunternehmen, darunter große Supermärkte, Bio-Supermärkte, Drogerien und Discounter. Während einige Anbieter bei ökologischen Kriterien relativ gut abschneiden, zeigen sich bei sozialen Standards deutliche Defizite: Denns, Biocompany, Rossmann und Edeka/Netto erreichen nur schwache Bewertungen, die Drogerie Müller bildet das Schlusslicht. Zu den Testsiegern zählen Siegel wie Naturland Fair, Fair Bio und Rapunzel. Sie legen ihre Lieferketten offen, machen Preismechanismen transparent, streben existenzsichernde Löhne an und binden lokale Akteur*innen sowie Gewerkschaften ein. Diese Beispiele zeigen: Transparenz ist kein Wettbewerbsnachteil, sondern die Grundlage glaubwürdiger Nachhaltigkeit.
Auf rund 200 Seiten analysiert der Wegweiser 80 Labels und Handelsunternehmen. Bewertet werden ihre Nachhaltigkeitsversprechen anhand eines transparenten Kriterienkatalogs, der soziale Standards, Umweltaspekte, neue gesetzliche Vorgaben und das Konzept der Just Transition berücksichtigt. Ein übersichtliches Ampelsystem offenbart auf den ersten Blick, welche Siegel vertrauenswürdig sind – und wo Vorsicht geboten ist.
„Unser Ziel ist es, Verbraucher*innen zu stärken. Wer verlässliche Labels erkennt, kann bewusster entscheiden und echten Wandel unterstützen“, so Dusch Silva.
Sie möchten wissen, welche Labels halten, was sie versprechen? Dann bestellen Sie den Wegweiser durch das Label-Labyrinth. Für unterwegs eignet sich der Quick-Check, die kompakte Taschenversion mit den wichtigsten Siegeln im Überblick.

Ich bin für Ihre Fragen da:
Sandra Dusch Silva
Referentin für nachhaltige Lieferketten und Kleidung
dusch@ci-romero.de
Telefon: 0176 / 64 19 07 09
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