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Landkonflikte eskalieren in Brasilien

Illegale Landnahmen führen immer wieder zu Ausschreitungen zwischen Indigenen Gemeinschaften und Farmern, die von Polizei oder Militär unterstützt werden. Erneut sollen seit Mai in Mato Grosso do Sul mindestens drei Indigene getötet worden sein.

Foto: Marcos Weiske

Seit Jahren schwelt auf dem Gebiet der Indigenen Gruppe der Guarani Kaiowá, im Bundesstaat Mato Grosso do Sul, ein Konflikt zwischen der Indigenen Bevölkerung und den dort ansässigen Farmern und Großplantagenbesitzer*innen, um das Recht an dem inzwischen agrarwirtschaftlich genutzten Land. Ausgangspunkt für die erneute Eskalation des Konflikts ist der Tod des 18-jährigen Alex Recarte Vasques, der am 21. Mai 2022 während des Holzhackens an der Grenze zu seinem Indigenen Territorium von einem Farmer niedergeschossen wurde. Nach dem Tod des 18-jährigen forderten die Guarani mit einer friedlichen Besetzung das Land zurück, das ursprünglich zu ihrem Territorium zählte, von dem sie jedoch mehr und mehr zurückgedrängt wurden. Mittlerweile bedecken zehn Farmen etwa 55 Prozent dieses Gebietes. Der Wald dort wurde großflächig gerodet und durch Soja- und Maisplantagen ersetzt. Als Reaktion auf die Besetzung ihrer Nutzflächen durch die indigenen Gruppen versuchten Farmer die friedlichen Besetzer*innen mit Gewalt zu vertreiben.

Marcos Weiske

Unterstützt wurden sie dabei von der Militärpolizei. Im weiteren Verlauf des Konflikts sollen so mindestens zwei weitere Indigene getötet und sieben verletzt worden sein, wie Indigene Organisationen berichten. Zwei Personen werden bislang noch vermisst, darunter mindestens ein Kind. Zudem berichten die Indigenen Organisationen von unterlassenen Hilfeleistungen bei schwerverletzten Indigenen im Krankenhaus und Festnahme und Folter von Ältesten und Verletzten durch die Polizei. Häuser und Nahrungsvorräte der Indigenen Gruppe wurden in Brand gesteckt und auch der Zugang zu Wasser wurde unterbunden. Von der Polizei bestätigt wurde bislang nur der Tod von Vitor Kaiowá.

Menschenrechtsverletzungen auch in deutschen Lieferketten

Auch Deutschland importiert massenhaft Soja aus Brasilien, das hierzulande vor allem in den Futtertrögen der Viehwirtschaft landet. Aufgrund von intransparenten Lieferketten ist dabei nicht immer klar, woher genau das Soja stammt und ob es am Anfang der Lieferkette zu Landkonflikten und Menschenrechtsverletzungen an der indigenen Bevölkerung gekommen ist.

Ein europäisches Lieferkettengesetz kann zum Schutz von Landrechten Indigener Gemeinschaften beitragen

Damit deutsche Unternehmen für Menschenrechtsverletzungen in ihren Lieferketten zur Verantwortung gezogen werden können, fordern wir ein starkes Lieferkettengesetz auf EU-Ebene. Dabei sollte das Lieferkettengesetz die vulnerable Situation von indigenen Gemeinschaften anerkennen und Verweise auf internationale Konventionen zum Schutz ihrer Landrechte beinhalten: Allen voran auf die UN-Deklaration über die Rechte indigener Völker und die ILO-Konvention 169, die beide das Prinzip der freien, vorherigen und informierten Zustimmung enthalten. Dieses Prinzip soll sicherstellen, dass indigene Gruppen bei Angelegenheiten, die sie betreffen, konsultiert werden und zustimmen müssen, bevor die Umsetzung von Großprojekten – wie die Ausweitung von Soja-Plantagen – auf ihren Gebieten stattfindet.

Studie soll weitere Ergebnisse zu Landkonflikten in deutschen Lieferketten liefern

Im Auftrag der Romero Initiative (CIR) und unserer „Our Food. Our Future“-Partnerorganisation Repórter Brasil, finden derzeit Feldforschungen zu Landkonflikten in der Region statt, die auch eine Berichterstattung über die aktuelle Situation beinhalten.

Foto: Maren Kuiter

Ich bin für Ihre Fragen da:

Merle Kamppeter
Referentin für nachhaltige Agrarlieferketten, öffentliche Beschaffung
kamppeternoSpam@ci-romero.de
Telefon: 0251 - 674413-61