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Ergebnisse der Unternehmensbefragung zu Sozialstandards in der Berufsbekleidungsbranche

CWS-boco Deutschland GmbH/CWS-boco Supply Chain GmbH

Hauptsitz: Dreieich
Inhaber: Franz Haniel & Cie. GmbH
Mitarbeiter*innen: CWS-boco Deutschland (CbD): 3636, CWS-boco International (CbI): 10768
Unternehmensumsatz: CbI 970 Mio. €, CbD 440 Mio. € (2017)
Produktionsländer: CbSCM bezieht Berufsbekleidung aus der Türkei, Albanien, Bulgarien, Ukraine, Slowakei, Mazedoniern, Dom. Rep.
Produzierte/vertriebene Marken: CWS und boco

Das Unternehmen CWS-boco Deutschland GmbH ist Teil der CWS-boco International GmbH (CbI). CWS-boco Deutschland GmbH (CbD) hat seinen Sitz in Dreieich und die Anzahl der Mitarbeiter*innen beläuft sich in Deutschland auf 3.600.
Es werden Dienstleistungen im Bereich Textilien und Waschraumhygiene angeboten. Die Berufsbekleidung, welche die CWS-boco Deutschland GmbH bezieht, wird über die CWS-boco Supply Chain Management GmbH (CbSCM) beschafft.
Die CbD besitzt 60 Wäscherei- und Servicestandorte in Deutschland. Die CWS-boco Gruppe ist Hersteller und Dienstleister. Sie vermietet/verkauft Arbeitsbekleidung, Corporate Fashion, Schutzbekleidung, Schuhe, Textilien wie Flachwäsche, Schmutzfangmatten und Waschraumlösungen.

1. Transparenz
CbD und CbSCM haben den Fragebogen vollständig ausgefüllt und weitere Informationen und Dokumente mitgeliefert. Das Unternehmen ist transparent im Hinblick auf Umsätze und Unternehmensstruktur.
Das Unternehmen verfügt über einen Verhaltenskodex, welcher öffentlich im Internet in Englisch und Deutsch zugänglich ist. Die CbI veröffentlicht darüber hinaus Nachhaltigkeitsberichte, die den Anforderungen der Global Reporting Initiative (GRI G4) entsprechen, und ist Mitglied im UN-Global Compact. Das Unternehmen ist transparent im Hinblick auf Maßnahmen und Standards im Bereich Unternehmensverantwortung.
Das Unternehmen gibt seine Produktionsländer an. Es legt jedoch weder gegenüber der CIR noch gegenüber der Öffentlichkeit die Adressen der Fabriken offen und ist somit nur bedingt transparent in Bezug auf diese Kategorie.

2. Belieferung der öffentlichen Hand
Die Belieferung der öffentlichen Hand macht mehr als 25 % des Umsatzes des Unternehmens CbD aus.
Das Unternehmen beliefert Kommunen, Länder, Bund und zentrale Beschaffungseinrichtungen mit Arbeits- und Schutzbekleidung, sowie mit Corporate Fashion, Flachwäsche, Schmutzfangmatten und Waschraumlösungen.
Nach eigenen Angaben muss das Unternehmen der öffentlichen Hand Nachweise über die Einhaltung sozialer Standards beibringen, und zwar in Form der Vorlage eines Verhaltenskodexes, durch Siegel oder Zertifikate, Berichte über die Einhaltung der Kernarbeitsnormen in der Produktion und in Form einer Eigenerklärung zur Tariftreue, Mindestentlohnung, Sozialversicherung und weiteren Punkten. Diesen Forderungen kommt CbD nach eigenen Angaben nach.
Laut CbD sind der öffentlichen Hand Themen wie Qualität (3/6) sowie Umwelt (3/6) und Arbeitsbedingungen (4/6) in der Produktionskette minder wichtig – im Gegensatz zur Preisfrage (6/6).

3. Struktur der Lieferkette
CbSCM fertigt ca. 50 % der Berufsbekleidung in der passiven Lohnveredelung (PLV), d.h. dass CbSCM den Produktionsstätten die Gewebe und Zutaten zur Verfügung stellt und diese daraus die Bekleidung konfektionieren. Die andere Hälfte bezieht das Unternehmen von seinen Direktlieferanten und Handelswarenpartnern. Die hier gemachten Angaben beziehen sich auf die Bekleidungskonfektionäre und Direktlieferanten.
Das Unternehmen besitzt keine firmeneigenen Produktionsstätten. Die 14 Konfektionäre und Direktlieferanten produzieren in eigenen Fabriken und es gibt weitere 2 Subproduzenten, die für die Direktlieferanten produzieren.
CbSCM hat PLV-Verträge mit Lieferanten in der Slowakei und Bulgarien (5 Partner, ca. 40 % Produktionsanteil PLV), Albanien, Mazedonien und Bosnien (4 Partner, 45 % Produktionsanteil PLV), Tunesien (1 Partner, 5 % Produktionsanteil), Dominikanische Republik (1 Partner, 10 % Produktionsanteil).
Zu der Dauerhaftigkeit der Beziehungen zu seinen Lieferanten gibt CbSCM an, seit mehr als 10 Jahren mit 60 % seiner Lieferanten, seit mehr als 5 Jahren mit 20 %, seit weniger als 5 Jahren mit 10 % und seit weniger als 2 Jahren mit weiteren 10 % der Lieferanten zusammenzuarbeiten.

4. Verhaltenskodex
CbSCM verfügt über einen Verhaltenskodex und entsprechende Umsetzungsbedingungen (TIMP), welche öffentlich im Internet zugänglich sind. Der Verhaltenskodex liegt in deutscher, englischer, albanischer, bulgarischer, ukrainischer, türkischer und in weiteren Sprachen vor.
Als Mitglied der Monitoring-Initiative BSCI hat CbSCM den BSCI Verhaltenskodex übernommen und um einige Punkte, wie Umweltschutz und Vermeidung von Korruption, erweitert. In Übereinstimmung mit den ILO-Konventionen wird das Recht auf Versammlungsfreiheit und Kollektivverhandlungen gewahrt; es besteht das Verbot von Diskriminierung, Kinderarbeit, Zwangsarbeit und der prekären Beschäftigung; gesetzliche Mindestlöhne müssen anerkannt und eine angemessene Vergütung gezahlt werden; die Überstundenzahlung ist geregelt, wie auch Gesundheit- und Arbeitssicherheit und der besondere Schutz junger Mitarbeiter*innen.

4.1 Kodexumsetzung
Der Verhaltenskodex gilt vertraglich für die Agenten (Importeure, Exporteure) und Direktlieferanten der CbSCM und deren Subproduzenten.
CbSCM hat weitere Maßnahmen ergriffen, um ihre Lieferanten bei der Umsetzung der Standards ihres Verhaltenskodexes zu unterstützen: Trainings, Workshops und Maßnahmen auf Produktionsebene zur Produktionssteigerung und zur Einkommensverbessering der Näher*innen.
Für diese Maßnahmen kommt das Unternehmen auf.

4.2 Kontrollen zur Einhaltung des Kodex
Um die Einhaltung des Verhaltenskodexes zu überprüfen, führt CbSCM bei 90 % der Lieferanten soziale Audits durch. CbSCM beauftragt externe Audit-Organisationen (z.B. SGS, TÜV) und/oder FLO-CERT) mit der Durchführung der Audits.
Die Audits werden alle 2 Jahre durchgeführt. Sie werden manchmal angekündigt und manchmal nicht. Die Kosten für das Audit trägt CbSCM selber.
Die Fortschritte der Lieferanten bei der Umsetzung des Verhaltenskodexes werden durch folgende Maßnahmen überprüft: Die Einkäufer*innen von CbSCM besuchen regelmäßig die Fabriken. Alle 2 Jahre erfolgt ein Vollaudit, notwendige Korrekturen werden dokumentiert und bis zu einem vereinbarten Termin (max. 12 Monate) abgearbeitet. Danach erfolgt ein externes Re-Audit. Lediglich bei kleineren Abweichungen kann die Beseitigung des Mangels durch ein externes Desktop Audit als abgearbeitet anerkannt werden.
Das Unternehmen gibt an, dass Beschwerdesysteme für Arbeiter*innen innerhalb der Lieferkette sichergestellt sind.
Das Unternehmen ist Mitglied der MSI Bündnis für nachhaltige Textilien.
Die Fortschritte der Lieferanten bei der Umsetzung des Verhaltenskodexes werden durch folgende Maßnahmen überprüft: Alle 2 Jahre erfolgt ein Vollaudit, notwendige Korrekturen werden dokumentiert und bis zu einem vereinbarten Termin abgearbeitet. Danach erfolgt ein externes Re-Audit. Lediglich bei kleineren Abweichungen kann die Beseitigung des Mangels durch ein externes Desktop Audit als abgearbeitet anerkannt werden.

4.3 Mitgliedschaften in Kontroll-, Monitoring oder Verifizierungsinitiativen
CbSCM ist Mitglied bei der Monitoring-Initiative BSCI und UN Global Compact.

4.4 Weitere Standards und Mitgliedschaften
Seit Anfang 2016 hat die CbD den Baumwollanteil ihrer Berufsbekleidungslinie „boco Profi Line“ auf 100 % Fairtrade certified cotton umgestellt.
Von Handelswarenpartnern bezieht das Unternehmen Produkte mit folgenden Gütesiegeln oder Zertifizierungen zur Einhaltung sozialer Standards: FWF (Bierbaum-Proenen, Greiff Mode und Kwintet), Fairtrade (Dibella und MIP); diverse andere Lieferanten sind laut eigener Angabe SA8000 zertifiziert.
Das Unternehmen ist Mitglied beim Bündnis für nachhaltige Textilien und knüpft die folgenden Erwartungen an diese Mitgliedschaft: „CbSCM arbeitet in den Arbeitsgruppen ,Social Standards und existenzsichernde Löhne‘ sowie in der AG ‚review Prozess‘ und der Unterarbeitsgruppe ‚öffentliche Beschaffung‘ aktiv mit, um soziale, ökologische und ökonomische Verbesserungen entlang der Textillieferkette zu erreichen“.
CWS boco hat im Fragebogen nicht angegeben, ob das Unternehmen den Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte umsetzt.

5. Kommentar der CIR
Die vollständige Beantwortung des Fragebogens, die Bereitstellung weiterer Dokumente, die das Engagement von CWS-boco Deutschland und CWS-boco SCM belegen sollen, sowie die Bereitschaft für Nachfragen von NGO-Seite aus jederzeit zur Verfügung zu stehen, zeigen, dass das Unternehmen dem Thema soziale Unternehmensverantwortung Bedeutung beimisst und gegenüber Zivilgesellschaft und allgemeiner Öffentlichkeit transparent ist. Der Nachhaltigkeitsbericht nach den Kriterien der Global Reporting Initiative (GRI G4) unterstreicht dies. Das Interesse von CWS-boco an sozialer Unternehmensverantwortung wird auch durch das aktive Einbringen des Unternehmens in öffentlichen Debatten und Treffen zur Unternehmensverantwortung deutlich, beispielsweise in Arbeitsgruppen des Bündnis für nachhaltige Textilien.
Als Mitglied der Monitoring-Initiative BSCI hat CbSCM deren Verhaltenskodex übernommen und um weitere Aspekte zu Umweltschutz und Ethik ergänzt. Der BSCI-Kodex erfüllt allerdings nicht die Kriterien, die von der CCC/CIR an einen vollständigen Kodex gestellt werden, beispielsweise in Bezug auf die Verpflichtung der Unternehmen, einen Existenzlohn zu zahlen. In Fällen, in denen die Löhne weder die Grundbedürfnisse decken noch frei verfügbares Einkommen belassen, werden die Unternehmen bei BSCI lediglich ermutigt, eine angemessene Vergütung zu zahlen. Sie werden aber in keiner Weise dazu verpflichtet.
Für eine glaubwürdige Verifizierung der Einhaltung der im Kodex vorgesehenen Kriterien in der Lieferkette sollte CbSCM systematischer mit lokalen Akteuren wie Gewerkschaften und NGOs bei der Verifizierung der Ergebnisse der Audits zusammenarbeiten und anonyme Beschwerdemechanismen stärker berücksichtigen.
Somit besteht hier – trotz des positiv zu bewertenden Engagements im Bereich Berufsbekleidung aus fair gehandelter Baumwolle – noch Potential seitens des Unternehmens, eigenständig den Kodex zu erweitern und seine CSR-Bemühungen von einer unabhängigen und damit glaubwürdigeren Multistakeholder-Initiative wie der Fair Wear Foundation (FWF) verifizieren zu lassen.

Porträt von Christian Wimberger

Ich bin für Ihre Fragen da:

Christian Wimberger
Referent für öffentliche Beschaffung, Rohstoffe
wimbergernoSpam@ci-romero.de
Telefon: 0251 - 674413-21