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Ergebnisse der Unternehmensbefragung zu Sozialstandards in der Berufsbekleidungsbranche

Wattana GmbH

Hauptsitz: Hohenstein-Ernstthal
Inhaberin: Gabriele Götze
Geschäftsführung: Gabriele Götze
Mitarbeiter*innen: 38 in Deutschland (Stand 2016)
Unternehmensumsatz: 21 Mio. €
Produktionsländer: Mazedonien, Bulgarien, Türkei, Albanien, Tschechien
Produzierte/vertriebene Marken: Eigenmarke: Wattana

Das Unternehmen Wattana GmbH wurde 1950 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Hohenstein-Ernstthal. Es beschäftigt in Deutschland 38 Mitarbeiter*innen. Das Unternehmen ist Hersteller von Arbeitskleidung, Corporate Fashion und Schutzbekleidung.

1. Transparenz
Wattana GmbH hat den Fragebogen, anders als im Jahr 2016, nicht ausgefüllt.
Das Unternehmen ist mäßig transparent im Hinblick auf die Unternehmensstruktur. Für die Umsätze verweist es auf den Bundesanzeiger.
Das Unternehmen hat sich dem Verhaltenskodex von BSCI verpflichtet, der aber auf der firmeneigenen Website nicht einzusehen ist. Das Unternehmen macht zwar Angaben zu den Produktionsländern, ist aber nicht bereit, weitere Informationen zu Standorten oder Prozentangaben zur Auftragsverteilung bei Lieferanten zu geben.

2. Belieferung der öffentlichen Hand
(Angaben aus der Befragung von 2016) Die Belieferung der öffentlichen Hand macht über 75 % des Umsatzes der Wattana GmbH aus.
Die Belieferung mit Arbeitskleidung und Schutzbekleidung erfolgt an Kommunen, Länder, Bund und an zentrale Beschaffungseinrichtungen.
Das Unternehmen gibt an, der öffentlichen Hand Nachweise über die Einhaltung von sozialen Mindeststandards durch Vorlage eines Verhaltenskodex bzw. über die Mitgliedschaft in einer unabhängigen Überprüfungsinitiative erbringen zu müssen. Diese Nachweise erfolgen laut eigenen Angaben des Unternehmens.
Das Unternehmen schätzt die genannten Faktoren für die öffentliche Hand wie folgt ein: Preis als sehr wichtig (6/6), die Qualität wichtig (5/6), die Umwelt und die Arbeitsbedingungen von mittlerer Wichtigkeit (4/6).

3. Struktur der Lieferkette
(Angaben aus der Befragung von 2016) Das Unternehmen besitzt keine eigene Produktionsfirma, sondern 15 Direktlieferanten, die in eigenen Fabriken produzieren und 3 Agenten.
Das Unternehmen hat Verträge mit Lieferanten in Mazedonien, Bulgarien, Albanien, Tschechien und der Türkei.
Zur Dauerhaftigkeit der Beziehungen zu seinen Lieferanten gibt die Wattana GmbH an, seit mehr als 10 Jahren mit 30 % der Lieferanten, seit mehr als 5 Jahren mit 30 %, seit weniger als 5 Jahren mit 30 % und seit weniger als 2 Jahren mit 10 % der Lieferanten zusammenzuarbeiten.

4. Verhaltenskodex
Das Unternehmen hat sich dem Verhaltenskodex von BSCI verpflichtet. In Übereinstimmung mit den ILO-Konventionen wird das Recht auf Versammlungsfreiheit und Kollektivverhandlungen gewährt, es besteht das Verbot der Diskriminierung, gesetzliche Mindestlohne müssen anerkannt werden und die Überstundenzahlung ist geregelt. In Fällen, in denen die Löhne weder die Grundbedürfnisse decken noch frei verfügbares Einkommen belassen, werden die Unternehmen lediglich ermutigt, eine angemessene Vergütung zu zahlen. Sie werden aber in keiner Weise dazu verpflichtet. Eine Regelung sicherer Beschäftigungsverhältnisse wird nicht berücksichtigt.
Das Unternehmen hat folgende Vorgaben, wenn es Waren in Ländern außerhalb Deutschlands produzieren lässt: „Kundenanforderungen“. Welche das genau sind und ob die auch Kriterien zu Arbeits- und Sozialstandards in der Lieferkette umfassen, ist unklar.

4.1 Kodexumsetzung
Aus der Beantwortung des Fragebogens wird nicht ersichtlich, für wen der Verhaltenskodex gilt.

4.2 Kontrollen zur Einhaltung des Kodex
(Angaben aus der Befragung von 2016) Das Unternehmen führt keine Audits durch, gibt aber an, darauf zu achten, dass sich Vorlieferanten selbst zu einem Verhaltenskodex verpflichtet haben oder gewisse Standards dort, z.B. durch andere Auftraggeber, die Mitglied bei BSCI oder FWF sind, ohnehin gelten. Um Fortschritte der Lieferanten zu überprüfen gibt Wattana an, dass die Einkäufer*innen des Unternehmens regelmäßig die Fabriken besuchen.

4.3 Mitgliedschaften in Kontroll-, Monitoring oder Verifizierungsinitiativen
Das Unternehmen ist Mitglied bei der Monitoring Initiative BSCI.

4.4 Weitere Standards und Mitgliedschaften
(Angaben aus der Befragung von 2016) Das Unternehmen verfügt über Fairtrade zertifizierte Baumwolle in einer Menge die von der Nachfrage des Kunden abhängt. Das Unternehmen gibt jedoch nicht an, um welchen Prozentsatz es sich handelt.
Das Unternehmen schreibt zur Zahlung existenzsichernder Löhne, dass es nur mit Lieferanten und Produzenten zusammenarbeitet, in deren Ländern ein gesetzlicher Mindestlohn gilt.

5. Kommentar der CIR
Das Unternehmen Wattana hat den Fragebogen nicht beantwortet und ist nicht transparent im Hinblick auf seine Zulieferkette oder Produktionsstätten. Das Unternehmen verweist auf den BSCI Verhaltenskodex, den es als Mitglied der Monitoringorganisation verabschiedet hat; dieser ist jedoch nicht auf der firmeneigenen Webseite zu finden. Auch führt das Unternehmen keine unabhängigen Kontrollen oder Verifizierungsmaßnahmen durch, um die Einhaltung des Kodex sicherzustellen. Als Maßnahmen zur Umsetzung und Kontrolle der Sozialstandards in den Zulieferketten gibt es lediglich an, dass die Einkäufer*innen die Betriebe regelmäßig besuchen; weitergehende Maßnahmen wie Trainings gibt es nicht. Die Angaben von Wattana zu den Maßnahmen zur Umsetzung des Kodex lassen vermuten, dass sich das Unternehmen nicht sehr intensiv mit dem Thema Sozialstandards in Zulieferketten auseinandergesetzt hat, bzw. darauf setzt, dass die Fabriken von sich aus Standards einhalten oder diese über andere Auftraggeber abgedeckt sind. Auch wenn die Mitgliedschaft bei BSCI ein erster Schritt ist, erfüllt BSCI nicht die Kriterien, die von der Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) gestellt werden, wie beispielsweise in Bezug auf die Verpflichtung von Unternehmen, einen Existenzlohn zu zahlen, die Regelung sicherer Beschäftigungsverhältnisse oder die Forderung nach einem Management System Audit. Auch gilt BSCI nicht als unabhängiges Verifizierungsinstrument. Um Arbeitsrechte und soziale Mindeststandards in den Zulieferketten glaubwürdig um- und durchzusetzen und mehr Transparenz zu beweisen, wird Wattana GmbH empfohlen, seinen Kodex auszuweiten, Maßnahmen und Aktivitäten zur Umsetzung des Kodexes zu entwickeln und diese Aktivitäten durch eine unabhängige Multistakeholder-Initiative, wie z.B. der Fair Wear Foundation, verifizieren zu lassen.

Porträt von Christian Wimberger

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Christian Wimberger
Referent für öffentliche Beschaffung, Rohstoffe
wimbergernoSpam@ci-romero.de
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