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Ergebnisse der Unternehmensbefragung zu Sozialstandards in der Berufsbekleidungsbranche

Friedrich Wetterschutz GmbH

Hauptsitz: Langelsheim
Inhaber*innen: Ruth Jennewein, Wolfgang Jennewein, Hannah Jennewein, Nina Lebioda
Geschäftsführung: Nils Lebioda
Mitarbeiter*innen: 26 in Deutschland
Unternehmensumsatz: ca. 6 Mio. €
Produktionsländer: Polen, Slowakei
Produzierte/vertriebene Marken: Eigenmarken: Hightex, Hertex, Safetex, Variotex

Das Unternehmen Friedrich Wetterschutz GmbH hat seinen Hauptsitz in Langelsheim. Es fertigt seit seiner Gründung um 1950 für verschiedene Behörden, Städte, Kommunen, Energieversorger und sonstige Industriekunden in ganz Deutschland Warnschutz-, Wetterschutz- und Multifunktionskleidung. Es beschäftigt in Deutschland 26 Menschen und hat eine Verkaufsstelle in Deutschland. Es ist Hersteller für Arbeitskleidung, Corporate Fashion und Schutzbekleidung. Als Großhändler verkauft es neben den Eigenmarken u. a. auch Produkte von BP, Tranemo und Atlas.

1. Transparenz
Friedrich Wetterschutz GmbH hat den Fragebogen vollständig ausgefüllt. Das Unternehmen ist transparent im Hinblick auf Umsätze und Unternehmensstruktur. Das Unternehmen verfügt über einen Verhaltenskodex, welcher öffentlich im Internet zugänglich ist. Das Unternehmen gibt Informationen zur Struktur der Lieferkette, den Produktionsländern und Produktionsstätten. Friedrich Wetterschutz hat gegenüber der CIR die Adressen der Zulieferbetriebe zum vertraulichen Gebrauch offengelegt und ist somit der CIR gegenüber transparent.

2. Belieferung der öffentlichen Hand
Die Belieferung der öffentlichen Hand macht ca. 50 % des Umsatzes des Unternehmens Friedrich Wetterschutz GmbH aus. Das Unternehmen beliefert Kommunen, Länder, Bund und zentrale Beschaffungseinrichtungen mit Arbeitskleidung, Schuhen, Corporate Fashion und Schutzbekleidung. Das Unternehmen gibt an, der öffentlichen Hand, aber auch allen anderen Kunden auf Wunsch Nachweise über die Einhaltung von sozialen Mindeststandards in Form einer abgestuften Erklärung (mit den Möglichkeiten Eigenerklärung, Zertifikat oder Zusicherung), der Vorlage eines Verhaltenskodexes, eines Siegels oder Zertifikats, eines Nachweises über die Mitgliedschaft in einer unabhängigen Überprüfungsinitiative oder eines Nachweises über die Erfüllung von Sorgfaltspflichten erbringen zu müssen. Diesen Forderungen kommt Friedrich Wetterschutz GmbH nach eigenen Angaben durch die Vorlage einer Eigenerklärung oder Zusicherung, des Verhaltenskodexes und der Erfüllung von Sorgfaltspflichten nach.
Das Unternehmen schätzt die Bedeutung der genannten Faktoren für die öffentliche Hand wie folgt ein: Preis und Qualität sind wichtig (5/6), die Arbeitsbedingungen in der Lieferkette sind minder wichtig (3/6), ökologische Kriterien eher unwichtig (2/6).
In Bezug auf sozial verantwortliche Beschaffung wünscht sich das Unternehmen eine „Zulassung von Eigenerklärungen / Nachweisen, dass nicht in DAC- Ländern produziert wird – gleichwertig zu Fair Wear o.ä.“

3. Struktur der Lieferkette
Friedrich Wetterschutz GmbH hat keine eigenen Produktionsfabriken, sondern 8 Direktlieferanten (Konfektionäre), die in eigenen Fabriken produzieren. Diese stehen in Polen (60 % Produktionsanteil), der Slowakei (30 % Produktionsanteil) und Tunesien (10 %).
Zur Dauerhaftigkeit der Beziehung zu seinen Lieferanten gibt das Unternehmen an, seit über 10 Jahren mit 75 %, seit weniger als 5 Jahren mit 13 % und seit weniger als 2 Jahren mit 13 % der der Direktlieferanten zusammenzuarbeiten.

4. Verhaltenskodex
Das Unternehmen verfügt über einen Verhaltenskodex, welcher öffentlich im Internet zugänglich und in deutscher Sprache veröffentlicht ist. Der Verhaltenskodex richtet sich nach dem Global Compact der UN und verpflichtet das Unternehmen zur Einhaltung der acht ILO Kernarbeitsnormen. Das Menschenrecht der freien Meinungsäußerung, das Recht auf Versammlungsfreiheit sowie die Zusicherung von existenzsichernden Löhnen gilt laut Kodex für Mitarbeiter*innen der Friedrich Wetterschutz GmbH sowie in den Fertigungsbetrieben des Unternehmens. Der Kodex sieht vor, dass eine Arbeitswoche 48 Stunden nicht überschreiten darf und dass in jedem 7 Tage-Zeitraum mindestens das Äquivalent eines freien Tages gewährleistet ist.

4.1 Kodexumsetzung
Das Unternehmen gibt an, dass bisher keine Maßnahmen zur Unterstützung der Lieferanten in der Umsetzung der im Verhaltenskodex festgelegten Standards notwendig waren. Bei Bedarf unterstützt das Unternehmen die Lieferanten bei der Umsetzung der Standards des Verhaltenskodexes nach eigenen Angaben durch Dialoge und interne Überprüfung vor Ort. Für notwendige Maßnahmen kommt Friedrich Wetterschutz auf.

4.2 Kontrollen zur Einhaltung des Kodex
Um die Einhaltung des Verhaltenskodexes zu überprüfen führt das Unternehme soziale Audits bei allen Direktlieferanten durch. Das Unternehmen führt die Audits selber durch. Die Audits werden häufiger als 1x pro Jahr durchgeführt. Die Audits sind manchmal angekündigt, manchmal nicht. Die Kosten trägt das Unternehmen. Die Fortschritte der Lieferanten bei der Umsetzung des Verhaltenskodex werden dadurch überprüft, dass die Einkäufer*innen des Unternehmens die Fabriken regelmäßig besuchen. Das Unternehmen gibt an, dass Beschwerdesysteme für Arbeiter*innen innerhalb der Lieferkette sichergestellt sind.

4.3 Mitgliedschaften in Kontroll-, Monitoring oder Verifizierungsinitiativen
Das Unternehmen ist kein Mitglied einer Monitoring- oder Verifizierungs-Initiative.

4.4 Weitere Standards und Mitgliedschaften
Das Unternehmen verfügt über das OHSAS Zertifikat des TÜV Süd zum Arbeitsschutz und über die Umweltmanagementnorm ISO 14001.
Das Unternehmen verkauft als Händler Produkte der Marke BP, welche Mitglied der Fair Wear Foundation ist.

5. Kommentar der CIR

Die Friedrich Wetterschutz GmbH hat den Fragebogen vollständig beantwortet und den firmeneigenen Verhaltenskodex zur Verfügung gestellt. Das Unternehmen informiert über Produktionsstandorte und verhält sich damit transparent der CIR gegenüber. In seinem Verhaltenskodex verpflichtet sich das Unternehmen selbst und seine Direktlieferanten zur Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen; Standards für Versammlungsfreiheit und die Zusicherung von existenzsichernden Löhnen wurden ergänzt. Die Umsetzung des Kodexes in der Zulieferkette wird nicht unabhängig kontrolliert, sondern durch das Unternehmen selbst.

Da Friedrich Wetterschutz GmbH seine Produkte größtenteils in Ländern nähen lässt, in denen Multistakeholder-Initiativen wie die Fair Wear Foundation (FWF) nicht aktiv sind, empfehlen wir dem Unternehmen, die Bildung von Gewerkschaften oder Betriebsräten in den Fabriken zu fördern und öffentlich darüber Bericht zu erstatten. Außerdem sollte das Unternehmen menschenrechtliche Sorgfalt im Sinne des Nationalen Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte walten lassen und transparent über Risiken und Gegenmaßnahmen berichten.

Das Unternehmen kommentiert die Zahlung existenzsichernder Löhne mit den folgenden Worten: „Wir beziehen nahezu ausschließlich Materialien (> 95 %), die innerhalb der EU hergestellt werden. Hier sind existenzsichernde Löhne obligatorisch. Dasselbe gilt für unsere Produktionsbetriebe in Polen und der Slowakei.“ Das Unternehmen gibt an, die im nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte formulierten Erwartungen der Bundesregierung zu menschenrechtlicher Sorgfaltspflicht bis 2020 umzusetzen, indem es ausschließlich in Ländern der EU produziert.

Die CIR vertritt zu dieser Angabe folgenden Standpunkt: Eine Studie der Kampagme für Saubere Kleidung von 2014 verdeutlicht, dass die in den osteuropäischen Ländern gezahlten Mindestlöhne bei weitem nicht die Grundbedürfnisse der Arbeiter*innen abdecken. Auch in Osteuropa werden Arbeits- und Menschenrechte in Textilfabriken verletzt. Deshalb sollten auch Unternehmen, die z. B. an slowakische oder polnische Produktionsstätten Aufträge vergeben, menschenrechtliche Sorgfalt im Sinne des Nationalen Aktionsplans Wirtschaft und Menschenrechte walten lassen.

Porträt von Christian Wimberger

Ich bin für Ihre Fragen da:

Christian Wimberger
Referent für öffentliche Beschaffung, Rohstoffe
wimbergernoSpam@ci-romero.de
Telefon: 0251 - 674413-21