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Ergebnisse der Unternehmensbefragung zu Sozialstandards in der Berufsbekleidungsbranche

HAKRO GmbH

Hauptsitz: Schrozberg
Inhaberin: Carmen Kroll
Mitarbeiter*innen: Deutschland: 174
Unternehmensumsatz: 82 Mio. €
Vertriebsstruktur: Hersteller und Großhändler
Produktionsländer: Türkei, Bangladesch, Laos und China
Produzierte/vertriebene Marken: HAKRO

Das Unternehmen HAKRO GmbH beschäftigt 174 Mitarbeiter*innen im Hauptsitz in Schrozberg. HAKRO stellt Arbeitsbekleidung und Corporate Fashion her.

1. Transparenz
HAKRO GmbH hat den Fragebogen vollständig ausgefüllt und zusammen mit dem öffentlich zugänglichen Nachhaltigkeitsbericht von 2017 der CIR zukommen lassen.
Das Unternehmen ist transparent in Bezug auf Umsatz und Unternehmensstruktur. Der Verhaltenskodex des Unternehmens ist auf der Webseite des Unternehmens öffentlich zugänglich. Das Unternehmen gibt im Nachhaltigkeitsbericht umfangreiche Informationen über die Zulieferbetriebe an (z. B. Städte, Produkte, anteilige Liefermenge, Dauer der Geschäftsbeziehungen und Bezug der Baumwolle). Das Unternehmen veröffentlicht aber nicht die Adressen der Zulieferbetriebe oder legt sie gegenüber der CIR zur vertraulichen Einsicht offen.

2. Belieferung der öffentlichen Hand
Die Belieferung der öffentlichen Hand ist mit unter 10 % des Umsatzes minder wichtig. HAKRO GmbH beliefert die öffentliche Hand über Händler mit Arbeitsbekleidung und Corporate Fashion. Als Nachweise für die Einhaltung von Sozialstandards legt das Unternehmen den Auftraggebern Eigenerklärungen, den Verhaltenskodex für Zulieferbetriebe oder Siegel und Zertifikate vor.
Das Unternehmen gibt an, der öffentlichen Hand Nachweise über die Einhaltung von sozialen Standards in Form von Eigenerklärungen, der Vorlage eines Verhaltenskodex sowie des Nachweises über die Mitgliedschaft in einer unabhängigen Überprüfungsinitiative erbringen zu müssen. Das Unternehmen schätzt, dass der öffentlichen Hand Preis (6/6) und Qualität (5/6) am wichtigsten sind. Arbeitsbedingungen in der Lieferkette und Umwelt sind ihr in der Einschätzung des Unternehmens weniger wichtig (3/6).

3. Struktur der Lieferkette
Das Unternehmen lässt von zwei Direktlieferanten produzieren und arbeitet mit zwei Agenten zusammen. Die Lieferanten befinden sich in Europa (51 %) und Asien (49 %). Auf der Unternehmenswebseite gibt HAKRO aber an, 51 % der Produkte in Istanbul (Türkei), 34 % in Dhaka (Bangladesch), 9 % in Vientiane (Laos) und 6 % in Donngguan (China) produzieren zu lassen.
Zu der Dauerhaftigkeit der Beziehungen zu seinen Lieferanten gibt HAKRO an, seit mehr als 10 Jahren mit 80 % seiner Lieferanten, seit mehr als 5 Jahren mit 20 % der Lieferanten zusammenzuarbeiten.

4. Verhaltenskodex
HAKRO GmbH verfügt über einen Verhaltenskodex für Zulieferbetriebe, der für Agenten, Direktlieferanten und Subproduzenten gelte. Der Verhaltenskodex ist auf der Webseite des Unternehmens auf Deutsch und Englisch verfügbar. An anderer Stelle im Fragebogen gibt das Unternehmen aber an, dass für alle Partner mindestens der Verhaltenskodex der BSCI gilt. Der Verhaltenskodex der amfori BSCI basiert zwar auf den ILO-Kernarbeitsnormen, fordert aber keine existenzsichernden Löhne nach dem Verständnis der CCC.

4.1 Kodexumsetzung
Laut HAKRO müssen alle Lieferanten des Unternehmens die Einhaltung des Verhaltenskodex der BSCI entweder durch ein gültiges Zertifikat oder durch ein Audit im ersten Jahr der Zusammenarbeit nachweisen. Der Verhaltenskodex ist für alle Mitarbeiter*innen in den Fabriken in der Landessprache zugänglich. Das Unternehmen ergreift laut eigenen Angaben Maßnahmen, um die Lieferanten bei der Umsetzung des Verhaltenskodex zu unterstützen. HAKRO garantiere einen stetigen Produktionslauf durch vorher vereinbarte monatliche Stückzahlen. Durch Forecasts für die kommenden zwölf Monate mit garantierten Abnahmezahlen können die Zulieferbetriebe laut HAKRO langfristig ihr Produktionsaufkommen planen. Außerdem unterstütze HAKRO den Zulieferer in Bangladesch finanziell bei Umbauarbeiten, um das Brandschutzabkommen Accord umzusetzen.

4.2 Kontrollen zur Einhaltung des Kodex
HAKRO führt nach eigenen Angaben in den Zulieferbetrieben einmal jährlich selbst einen Produktionscheck durch. Zudem führen in den Fabriken einmal jährlich unabhängige Organisationen Sozialaudits im Rahmen der amfori BSCI-Mitgliedschaft von HAKRO durch. In Bangladesch wird zusätzlich einmal im Jahr ein Audit im Rahmen der GOTS-Zertifizierung durchgeführt. Die Audits werden manchmal vorher angekündigt, manchmal nicht. Die Kosten für die Audits tragen das Unternehmen und die Zulieferbetriebe. Das Unternehmen gibt an, über keinen Beschwerdemechanismus für die Arbeiter*innen zu verfügen.

4.3 Mitgliedschaften in Kontroll-, Monitoring oder Verifizierungsinitiativen
Das Unternehmen ist Mitglied bei der Unternehmensinitiative Business Social Compliance Initiative (BSCI).

4.4 Weitere Standards und Mitgliedschaften
HAKRO verfügt über den Global Organic Textile Standard (GOTS). Auf der Webseite gibt das Unternehmen außerdem an, seit 2018 von der Initiative Cotton Made in Africa zertifizierte Baumwolle zu verwenden. Das Unternehmen verfolge das Ziel, bis 2022 50 % des Baumwollbedarfs aus nachhaltigen Quellen oder aus dem Bio-Anbau zu beziehen. Das Unternehmen verwendet keine Baumwolle aus dem Fairen Handel.
Bei der Umsetzung existenzsichernder Löhne sieht HAKRO die Branchenverbände in den Import- und Exportländern in der Verantwortung. Berechnungsmethoden sollten laut HAKRO gemeinsam mit Nichtregierungsorganisationen erarbeitet werden. HAKRO habe 2016 einen Sozialfond eingerichtet, um mit freiwilligen Beiträgen die Lebenssituation der Arbeiter*innen zu verbessern. 2018 führte HAKRO einen Solidaritätsfond für die Fabrik in Bangladesch ein, der die Kosten für medizinische Behandlungen der Mitarbeiter*innen im Unfall- und Krankheitsfall sowie für Medikamente abdecke.

HAKRO gibt an, die Sorgfaltspflichten des Nationalen Aktionsplans Wirtschaft und Menschenrechte der Bundesregierung durch die HAKRO Menschenrechterichtlinie zu erfüllen.

5. Kommentar der CIR
HAKRO wurde erstmals von der CIR befragt und hat den Fragebogen umgehend beantwortet. Obwohl das Unternehmen die Adressen der Zulieferbetriebe nicht offen legt, geht das Unternehmen mit der Angabe der Städte, in denen sich die Produktionsstätten befinden, über das in der Branche durchschnittliche Maß an Transparenz hinaus.
HAKRO scheint sich intensiver mit dem Thema Arbeits- und Menschenrechte auseinandergesetzt zu haben als viele andere Unternehmen in der Branche, was z. B. die Mitgliedschaft des Unternehmens beim Bündnis für nachhaltige Textilien des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung verdeutlicht. HAKRO scheint darüber hinaus erkannt zu haben, dass das Unternehmen die eigene Einkaufspolitik in den Blick nehmen muss, um Sozialstandards in der Lieferkette umzusetzen. Das Unternehmen setzt auf langfristige Geschäftsbeziehungen mit den Zulieferbetrieben, kontinuierliche Aufträge und zusätzliche Zahlungen. Um diesen Weg weiterzugehen und die Maßnahmen extern verifizieren zu lassen, könnte der nächste Schritt sein, einer unabhängigen Multistakeholder-Initiative wie der Fair Wear Foundation (FWF) beizutreten. Aktuell ist das Unternehmen Mitglied bei der Unternehmensinitiative BSCI, die vor allem auf Sozialaudits setzt und nicht die Einkaufspolitik der Unternehmen überprüft. HAKRO plant aber 2019 der Fair Wear Foundation beizutreten.

Porträt von Christian Wimberger

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Christian Wimberger
Referent für öffentliche Beschaffung, Rohstoffe
wimbergernoSpam@ci-romero.de
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