Im neuen Leitfaden „Von der Vergabe auf den Teller“ stellen wir Gütezeichen des Fairen Handels vor, welche zwar unterschiedliche Schwerpunkte setzen, jedoch alle relativ hohe Ansprüche im Bereich Soziales stellen. (Foto: CIR)
Bund, Länder und Kommunen kaufen jährlich Waren und Dienstleistungen im Wert einer hohen dreistelligen Milliardensumme ein. Ein Teil der öffentlichen Gelder fließt in die Beschaffung von Waren, die zu den sogenannten sensiblen Produktgruppen gehören. Das sind Produkte, in deren Lieferkette – insbesondere in Schritten von Produktion und Verarbeitung – erhebliche Risiken für Menschenrechtsverletzungen und negative ökologische Auswirkungen bestehen. Neben Lebensmitteln aus dem Globalen Süden können z. B. auch Textilien, Spielzeug und Elektronik als sensible Produktgruppen bezeichnet werden.
Die öffentliche Hand verfügt also über einen wirksamen Hebel, um diese Risiken zu beeinflussen und zu reduzieren: Durch die strategische Berücksichtigung sozialer und ökologischer Kriterien bei der öffentlichen Beschaffung kann sie einen wichtigen Beitrag zum Schutz von Menschen- und Arbeitsrechten in den Lieferketten dieser Produkte und damit zu globaler Gerechtigkeit leisten.
Genau an diesem Punkt wollen wir mit unserem neuen Leitfaden „Von der Vergabe auf den Teller – Ein Wegweiser für die nachhaltige öffentliche Beschaffung von Lebensmitteln“ ansetzen. Er bietet Mitarbeitenden in Ämtern und Vergabestellen eine Einordnung der relevantesten Gütezeichen des Fairen Handels, die Sie in Beschaffungsprozessen sensibler Lebensmittel als Nachweise für die Einhaltung sozialer Kriterien fordern können. Denn: Lebensmittel-Lieferketten sind besonders kritisch.
In globalen Agrarlieferketten ist die Marktmacht sehr ungleich verteilt. Produzent*innen im Globalen Süden erhalten oftmals keinen fairen Anteil an der Wertschöpfung und können teilweise nicht einmal ihre Produktionskosten decken. Zudem werden immer wieder menschenrechtliche oder arbeitsrechtliche Missstände an Produktionsstätten festgestellt.
Die gute Nachricht: Die Marktverfügbarkeit von Lebensmitteln aus Fairem Handel (z. B. Kaffee, Kakao, Tee, Orangensaft, Reis, Quinoa, Rohrzucker, Nüsse und Südfrüchte wie Bananen, Orangen, Mangos oder Ananas) ist sehr gut. Bei der fairen Beschaffung steht die Einhaltung sozialer Kriterien im Fokus, insbesondere bei Lebensmitteln, die üblicherweise im Klima des Globalen Südens angebaut und ggf. weiterverarbeitet werden, und in deren Lieferketten die Einhaltung von Menschenrechten und grundlegenden Arbeitsstandards oft
nicht gesichert ist. Häufig sind Lebensmittel aus dem Fairen Handel zudem auch biozertifiziert.
Gütezeichen sind keine Garantie für makellose Lieferketten. Sie tragen aber dazu bei, soziale wie ökologische Nachhaltigkeitsanforderungen in globalen Lieferketten zu definieren und überprüfbar zu machen. Für öffentliche Auftraggeber erleichtern sie die rechtssichere Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien.
Allerdings hat die Nutzung von Labels als Marketinginstrument und zur strategischen Kommunikation von Nachhaltigkeitsbemühungen zu einer Vielzahl an Labels auf dem Markt geführt. Nicht jedes Gütezeichen ist dabei gleich aussagekräftig: Inhaltliche Anforderungen, Kontrollen und Transparenz variieren deutlich und damit auch Anspruch und Wirksamkeit. Die Praxis zeigt zudem, dass Kontrollen häufig auf erhebliche Hürden stoßen – vom Zugang zu Plantagen bis zur Überprüfung komplexer Lieferketten. Gütezeichen sind daher keine Garantie für makellose Lieferketten.
Entscheidend für die Wirkung von Nachhaltigkeitslabels sind hohe Standards, Transparenz und ein strukturierter, zugänglicher Beschwerdemechanismus, der Missstände erfasst, überprüft und wirksam behebt. Ebenso wichtig sind klare Entwicklungsziele, über deren Fortschritt regelmäßig berichtet wird.

Ich bin für Ihre Fragen da:
Anne Sträßer
Referentin im Bereich nachhaltige Ernährungs- und Agrarsysteme und öffentliche Beschaffung
straesser@ci-romero.de
Telefon: 0251 - 674413-51
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