
*Name von der Redaktion geändert
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Guatemala gehört zu den Ländern mit den niedrigsten öffentlichen Gesundheitsausgaben Lateinamerikas. Das stark privatisierte Gesundheitssystem benachteiligt Menschen mit geringem Einkommen systematisch. Frauen, die wie María in ländlichen Regionen leben und indigenen Gemeinschaften angehören, sehen sich im Bereich der reproduktiven Gesundheit mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert. „In einigen Gemeinschaften führen die geografische Entfernung und fehlende finanzielle Ressourcen dazu, dass Krankenhäuser oder Gesundheitszentren für viele Frauen unzugänglich sind und sie während ihrer Schwangerschaft keine angemessene medizinische Versorgung erhalten“, sagt Berta Cúmez von der CIR-Partnerorganisation ADEMI, die sich für Müttergesundheit, sexuelle Aufklärung und ein inklusives Gesundheitswesen einsetzt.
Ein weiteres Problem: die Sprachbarriere. „In vielen Gesundheitszentren beherrscht das Personal zudem keine Maya-Sprachen wie K’iche’ oder Kaqchikel, was es den Frauen erschwert, sich zu verständigen“, erklärt Cúmez. Rassistische Diskriminierung von Menschen mit indigener Herkunft und fehlende Sensibilität für kulturelle Unterschiede in öffentlichen Gesundheitseinrichtungen tragen dazu bei, dass viele Frauen, mit denen ADEMI zusammenarbeitet, gar nicht in Krankenhäusern und Kliniken behandelt werden möchten. Berta Cúmez erzählt von einer Frau, die bei einer Schwangerschaftskontrolle zurechtgewiesen wurde: Sie habe doch schon vier Kinder, ob die fünfte Schwangerschaft wirklich nötig gewesen sei. Viele weitere Frauen berichten einhellig von langen Wartezeiten, gleichgültiger oder verächtlicher Behandlung sowie Beleidigungen.
In vielen ländlichen und indigen geprägten Regionen sind frühe Heiraten und Schwangerschaften keine Einzelfälle. „In einigen Familien besteht weiterhin die Vorstellung, dass Mädchen nicht studieren, sondern zu Hause bleiben und der Mutter helfen sollen. Die Bildung der männlichen Kinder wird priorisiert“, sagt Cúmez. Die Möglichkeiten der Frauen, sich andere Lebensentwürfe außerhalb der Rolle als Hausfrau und Mutter vorzustellen, sind stark eingeschränkt. Auch die wirtschaftliche Situation spielt eine Rolle, da Frauen – nicht zuletzt mangels Schulbildung – oft durch Haus- und Feldarbeit zum Lebensunterhalt beitragen.
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Laut nationalen Gesundheitsbefragungen finden in Guatemalas Städten rund drei Viertel der Geburten in medizinischen Einrichtungen statt, in ländlichen Regionen dagegen nur etwa ein Drittel bis knapp die Hälfte. Entsprechend höher sind dort die Risiken: Indigene Frauen haben trotz sinkender Müttersterblichkeit weiterhin ein mehr als doppelt so hohes Risiko, an den Folgen von Schwangerschaft oder Geburt zu sterben. 2021 entfielen zudem 18 Prozent der Geburten in Guatemala auf Mütter zwischen 10 und 19 Jahren. „Eine Schwangerschaft bei Mädchen und sehr jungen Frauen ist riskanter, weil der Körper unter Umständen noch nicht in der Lage ist, die Belastung zu bewältigen“, sagt Berta Cúmez. Teenagerschwangerschaften stehen in Guatemala häufig im Zusammenhang mit eingeschränktem Zugang zu Sexualaufklärung und sexueller Gewalt.
ADEMI verfolgt unterschiedliche Ansätze, um der Vielzahl an Missständen zu begegnen. Ein wesentlicher Pfeiler ist die Zusammenarbeit mit traditionellen Hebammen, die Hausbesuche durchführen. Die Organisation schult sie und stellt ihnen eine Grundausstattung bereit, damit sie Geburten sicher begleiten sowie Gewichtskontrollen und Ernährungsberatungen für schwangere und stillende Frauen durchführen können. Dabei arbeiten sie auch mit traditionellen Methoden: Dampfbäder, Heilkräuter oder Massagen sind Teil der kulturellen Identität der Maya-Frauen und geben Sicherheit und Vertrauen. „Erstgebärende werden aufgrund medizinischer Risikofaktoren an die nächstgelegenen Gesundheitszentren überwiesen, aber sie werden von den Hebammen begleitet, um eine spezialisierte Nachsorge zu gewährleisten“, sagt Berta Cúmez.
Darüber hinaus leistet ADEMI Bildungs- und Aufklärungsarbeit mit Kindern, Jugendlichen, jungen Erwachsenen aller Geschlechter sowie Müttern und Frauen im reproduktiven Alter. Behandelt werden Themen wie Selbstwert, Kommunikation und Geschlechterstereotype, Gewaltprävention sowie sexuelle und reproduktive Rechte. Die Erfolge dieser Bildungsprogramme sind unverkennbar: „Jugendliche erzählen, dass sie besser mit ihren Eltern über Sexualität sprechen können. Mädchen, die bei ihrer ersten Menstruation aus Angst ihre verschmutzte Kleidung versteckten, kennen nun die Veränderungen ihres Körpers und helfen sich gegenseitig“, berichtet Cúmez.
Was es laut ADEMI auf politischer Ebene noch braucht, ist nicht nur mehr medizinische Infrastruktur, sondern ein Gesundheitssystem, das kulturell angemessen arbeitet: mit mehrsprachigem Personal, Verständnis für indigene Lebensrealitäten und einem respektvollen Umgang, der Vertrauen schafft.

Ich bin für Ihre Fragen da:
Christian Wimberger
2. Bereichsleitung Inland/Kampagnen
Referent für Guatemala und Unternehmensverantwortung
wimberger@ci-romero.de
Telefon: 0251 - 674413-21
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