Guatemala

Verteidigung von Maya-Aktivisten

Die indigenen Aktivisten Luis Pacheco und Héctor Chaclán wurden vor über einem Jahr verhaftet, da sie Demonstrationen gegen die antidemokratischen Bestrebungen einer korrupten Elite organisierten. Nun erreichte unsere Partnerorganisation Anwaltskollektiv für Indigene Völker, dass sie gegen Kaution das Gefängnis verlassen durften. Ein Etappenerfolg in einem zentralen Gerichtsverfahren im Ringen zwischen der Maya-Bewegung und autoritären Kräften.

Maya-Aktivist Luis Pacheco. Foto: Prensa Comunitaria

Luis Pacheco und Héctor Chaclán leiteten vor einigen Jahren die 48 Kantone von Totonicapán, einer Vereinigung von Maya-Gemeinden im Westen Guatemalas, die bei der Verteidigung der Demokratie in der politischen Krise von 2023 eine zentrale Rolle spielte. Als die autoritäre Staatsanwältin Consuelo Porras 2023 versuchte, die Wahl des linken Kandidaten Bernardo Arévalo zum Präsidenten zu annullieren, riefen Pacheco und Chaclán zu landesweiten Protesten auf. Mit Erfolg: Arévalo konnte dank der Mobilisierung der Maya-Bewegung sein Amt als erster linker Präsident seit den 1950er Jahren antreten. Doch die rechtsautoritären Eliten des sogenannten Pakts der Korrupten verziehen Pacheco und Chaclán dieses Engagement nicht. Im April 2025 ließ die Staatsanwaltschaft die beiden Aktivisten verhaften. Der Vorwürfe: Terrorismus und illegale Vereinigung. Luis Pacheco war damals bereits Vize-Bergbauminister der neuen Regierung.

Ein Anwaltskollektiv für Maya-Völker

Juan Castro von der CIR-Partnerorganisation Anwaltskollektiv für Indigene Völker (Bufete para Pueblos Indígenas) hält die Vorwürfe für unbegründet. Die Organisation leistet Rechtsbeistand für indigene Gemeinden, wenn sie kriminalisiert oder ihre Rechte verletzt werden. Als Anwalt verteidigt Juan Castro die beiden Aktivisten vor Gericht. Seiner Einschätzung nach ist es offensichtlich, dass die beiden von der Staatsanwaltschaft systematisch beschattet und verfolgt wurden. Nun erreichte Castro, dass seine Mandanten aus einem Militärgefängnis in den Hausarrest entlassen wurden. Allerdings war der Preis für das Ende der Untersuchungshaft hoch. Pro Person waren circa 21.000 US-Dollar Kaution zu entrichten – eine starke finanzielle Belastung für die Familien der Kriminalisierten.

Tauwetter im Justizsystem

Nach ihrer Entlassung reisten die beiden nach Totonicapán, wo sie von ihren Familien und Mitstreiter*innen empfangen wurden. „Wir haben einen Staatsstreich aufgehalten. Das ist kein Delikt!“, stellte Pacheco in einer Rede kämpferisch klar. „Ich glaube, dass die Justiz auf dem richtigen Weg ist, und das haben wir den Guatemaltek*innen zu verdanken, die für uns gebetet und Widerstand geleistet haben“, ergänzte er.

Juan Castro (r.) von unserer Partnerorganisation Bufete para Pueblos Indígenas. Foto: Prensa Comunitaria

Das Ziel ist jetzt, einen kompletten Freispruch zu erreichen und damit zu zeigen, dass die beiden Aktivisten zu Unrecht kriminalisiert wurden. Demnächst wird ein Gericht bei einer Anhörung entscheiden, ob der Strafprozess fortgeführt wird. Das Verfahren entwickelt sich an einem wichtigen Wendepunkt im Justizsystem, denn vor kurzem endete die Amtszeit der rechten Generalstaatsanwältin Porras, die jahrelang Kriminalisierungskampagnen anführte und als wichtigste Gegenspielerin der Regierung galt. Ihr Nachfolger Gabriel García Luna hat Reformen im Justizsystem angekündigt. Sein Vertreter gab bei einer Audienz der Internationalen Menschenrechtskommission vor kurzem zu, dass die Staatsanwaltschaft in den letzten Jahren zur Verfolgung von Aktivist*innen und Journalist*innen missbraucht wurde. Das indigene Anwaltskollektiv von Juan Castro wird die Chance nutzen, um sich für ein gerechtes Justizsystem einzusetzen, das der Diskriminierung der indigenen Bevölkerung ein Ende setzt.

Porträt von Christian Wimberger

Ich bin für Ihre Fragen da:

Christian Wimberger
2. Bereichsleitung Inland/Kampagnen
Referent für Guatemala und Unternehmensverantwortung

wimbergernoSpam@ci-romero.de
Telefon: 0251 - 674413-21

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Foto: James Rodriguez/mimundo.org

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