Kleidung

Adidas Hauptversammlung:

Kosten der Krise sozialisiert, Gewinne privatisiert

Pressemitteilung vom 11. Mai 2021

AdidasHauptquartier in Herzogenaurach mit großem Fußball-Monument davor auf einer Wiese

Foto: Avda, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Adidas soll auf die Auszahlung von Dividenden aus dem Krisenjahr 2020 verzichten. Das fordert der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre gemeinsam mit der Christlichen Initiative Romero (CIR) auf der Hauptversammlung des Konzerns am Mittwoch, 12. Mai 2021. Grund: Der Bilanzgewinn wurde unter anderem durch staatliche Corona-Hilfen und auf Kosten der Arbeiter*innen – auch im globalen Süden – erzielt.

Obwohl Adidas massiv von Staatshilfen zur Bewältigung der Folgen der Corona-Pandemie profitiert hat, schlagen Vorstand und Aufsichtsrat vor, eine höhere Dividende auszuschütten als in den Jahren 1999-2017. Dies halten die zivilgesellschaftlichen Organisationen CIR und Kritische Aktionärinnen und Aktionäre für absolut ungerechtfertigt.

Zwar hat Adidas die 500 Millionen Euro Überbrückungskredit der staatlichen KfW-Bank zurückgezahlt, doch problematisch ist das in 2020 in Anspruch genommene Kurzarbeitergeld. So tragen vor allem die Beschäftigten von Adidas und die Gesellschaft maßgeblich dazu bei, dass überhaupt eine Dividende gezahlt werden kann. Denn: Das Kurzarbeitergeld ist seit 2020 de facto steuerfinanziert und so als eine weitere staatliche Unternehmenshilfe in der Corona-Krise anzusehen. Die Leistungen wurden erhöht und Arbeitgeber-Sozialabgaben erstattet, wodurch die Bundesregierung aufgrund der hohen Nachfrage erhebliche Liquiditätshilfen für die Bundesagentur für Arbeit bereitstellen musste.

Die Folgen der Pandemie, die für Adidas durch Kurzarbeitergeld und den Überbrückungskredit staatlicherseits abgefedert worden sind, werden so sozialisiert, während Gewinne nun in Form von Dividenden privatisiert werden sollen. Markus Dufner, Geschäftsführer der Kritischen Aktionär*innen und Aktionäre schlägt stattdessen vor: „Eine niedrigere Dividende und vollständige Rückzahlung aller staatlichen Hilfsgelder, inklusive der Einsparungen durch Kurzarbeit, hätten deutlich gemacht, dass Adidas auch gesellschaftlich verantwortungsvoll handeln kann. Daher werden wir auch den Vorstand nicht entlasten.“

Lohnausfälle und Entlassungen in salvadorianischen Zulieferfabriken

Doch nicht nur den eigenen Angestellten und der deutschen Gesellschaft gegenüber fehlt es Adidas an Solidarität und Verantwortungsübernahme. In den ersten Monaten der Corona-Pandemie musste die Textilproduktion in vielen Ländern gestoppt werden. Die Regionale Koordinationsstelle der Gewerkschaften in Textilfabriken Mittelamerikas berichtete der CIR, dass 757 Angestellte der salvadorianischen Fabrik Varsity Pro, in der Kleidung für Adidas produziert wird, im März 2020 entlassen wurden.

Die Fabrik Impression Apparel Group, ebenfalls Adidas-Zulieferer in El Salvador, zahlte Näher*innen während eines 3-monatigen Zwangsurlaubs nur zwei sogenannte Corona-Boni in Höhe von 41,33 US-Dollar. Der Grundwarenkorb für Nahrungsmittel für eine Familie liegt in dem Land bei monatlich 200 US-Dollar. Martha Hernández, eine Näherin der Fabrik, beschreibt die Folgen: „Wie sollten wir davon als Familien überleben? Wir mussten ja weiterhin unsere Lebensmittel, die Miete, das Wasser und den Strom bezahlen. Wir haben uns deshalb verschuldet.“

Franziska Menge, Referentin der CIR, fordert die Anteilseigner*innen von Adidas und die Konzernführung auf, Verantwortung zu übernehmen: „Bereits im dritten Quartal des Corona-Jahres 2020 erzielte Adidas nach Umsatzeinbrüchen in den ersten Monaten der Corona-Pandemie wieder ähnliche Gewinne wie im Vorjahr. Das Unternehmen muss das Geld aktiv in Maßnahmen für ein existenzsicherndes Einkommen und eine soziale Absicherung der Näher*innen investieren, anstatt das System komplexer Lieferketten auszunutzen und somit die soziale Verantwortung und die Kosten der Corona-Krise auf die Näher*innen abzuwälzen.“

Presse-Kontakt:

Franziska Menge
Referentin für Kleidung, Christliche Initiative Romero e.V. (CIR)
mengenoSpam@ci-romero.de
Tel: 0251-67 44 13-30

Markus Dufner
Geschäftsführer, Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre
dachverbandnoSpam@kritischeaktionaere.de
Tel: 0221-599 56 47

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