e Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen in der Spielwarenindustrie - Christliche Initiative Romero e.V. (CIR)

Spielzeug

Unsere Toys Reports: Aufdecken von Missständen in chinesischen Spielzeugfabriken

Seit vielen Jahren decken unsere Toys Reports die Probleme auf, die bei der Herstellung von Spielzeugen in chinesischen Fabriken auftreten. In umfassenden Untersuchungen hat unser Partner China Labour Watch zahlreiche Verstöße gegen Arbeits- und Menschenrechte in verschiedenen Fabriken aufgedeckt, darunter auch jene, die für namhafte Unternehmen produzieren

Arbeiterin in Fabrik Changan Mattel arbeitet trotz Fingerverletzung weiter.

Eine Arbeiterin montiert Mattel-Puppen trotz Handverletzung in der Fabrik Changan | Foto: China Labor Watch

In China und Vietnam floriert die Spielzeugproduktion, doch die Arbeitsbedingungen sind oft prekär. Während in China Millionen von saisonalen Arbeiter*innen in den Fabriken schuften, zieht Vietnam mit vorteilhaften Bedingungen für ausländische Investoren und einem rapiden Anstieg im Spielzeugexport an. Trotz umfangreicher Arbeitsgesetze bleibt die Umsetzung fragwürdig, was zu dokumentierten Verletzungen der Arbeitsrechte führt.

 

China

Chinas Wirtschaft hat sich seit den späten 1970er Jahren über 30 Jahre massives Wachstum gefreut. Mit seinen 1.4 Milliarden Einwohner*innen ist es die größte Wirtschaft der Welt. Als Wirtschaftswunder in aller Munde hat es hundert Millionen Chines*innen aus der Armut gehoben und China zu einem Schlüsselspieler in der Globalisierung gemacht. Aber dieser ökonomische Wandel hat eine dunkle Seite: Er findet auf dem Rücken eines Großteils der chinesischen Bevölkerung statt. Saisonarbeiter*innen kommen aus armen, ländlichen Gebieten des Landes. Circa 290 Millionen Saisonarbeiter*innen schuften in den Fabriken, die China zur Weltfabrik machen: in der Elektronik, Beleidung, Spielzeug usw.
Die chinesische Regierung hat umfassende Arbeitsgesetze erlassen hat, obgleich auch die Vereinigungsfreiheit fehlt. Arbeiter*innen haben das Recht, voll und rechtzeitig bezahlt zu werden, auf einen offiziellen Arbeitsvertrag, eine 40 Stunden Woche mit fester Ausgleichszahlung für Überstunden, Sozialversicherung und Abfindungszahlungen bei vorzeitiger Kündigung. Außerdem gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit und Schutz am Arbeitsplatz vor Diskriminierung. Es gibt einige Gesetze, die insbesondere Frauen schützen und sexuelle Nötigung von Frauen verbietet.
Leider ist die Umsetzung dieser Arbeitsschutzgesetze sehr schlecht, besonders in Fabriken in denen Saisonarbeiter*innen arbeiten. Arbeitsrechtsverletzungen sind gut dokumentiert worden durch Menschenrechtsaktivist*innen, investigative Journalist*innen und Arbeitsrechtsorganisationen.
Die lokalen Regierungen sind stark auf Investitionen für wirtschaftliche Entwicklung angewiesen, schauen aber bei den Rechtsverletzungen weg, die in Fabriken geschehen und schaffen es auch nicht, Arbeitsgesetze korrekt umzusetzen.
China ist größter Spielzeugexporteur der Welt und liefert ca. 80% seines Spielzeuges aus. Deutschland bezieht ungefähr die Hälfte des Spielzeugs von dort.

Vietnam

Die Spielwarenindustrie in Vietnam entstand vor ca. 10 Jahren, anfangs allein mit dem Ziel, ausländische Kunde*innen zu bedienen: Statistiken zufolge werden nur 10 % der Produkte der Branche am heimischen Markt vertrieben, während die Mehrzahl der Produkte ins Ausland exportiert werden, vor allem in die USA, Japan, die EU, England und Kanada. Vietnamesische Spielwaren werden darüber hinaus in den chinesischen Markt exportiert.
Vietnams Export von Kinderspielzeug ist in den letzten Jahren um 20 % angestiegen. Im Vergleich zu anderen Branchen, stieg der Exportumsatz bei Spielwaren während des weltweiten Ausbruchs der COVID-19-Pandemie rasant an. Parallel zum Trend zur Verlagerung von Spielwarenfabriken aus China und Indien, wird Vietnam dank u. a. einer vorteilhaften Steuerpolitik, vorhandener Personalressourcen und Flächen als idealer Standort unter den Unternehmen gehandelt. LEGO und MATTEL sind zwei der größeren weltweit tätigen Unternehmen, die den Bau von Fabriken in Vietnam planen. Auch die politischen Rahmenbedingungen, wie das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Vietnam (EVFTA), das 2020 in Kraft trat, eröffnen zahlreiche Möglichkeiten für den Export vietnamesischer Spielwaren in den EU-Markt.
Einen tieferen Einblick in die Situation in Vietnam bietet die Aktionszeitung „Spielzeug ist Politisch“ (2022).

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Anna Backmann
Referentin für Spielzeug
backmannnoSpam@ci-romero.de
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