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Multi-Akteurs-Partnerschaften: Partizipation als Schlüssel zum Erfolg

Die Gründung von Multi-Akteurs-Partnerschaften (MAP) soll dazu beitragen, die nachhaltigen Entwicklungsziele und damit einhergehend einen gesellschaftlichen Wandel zu erreichen. 2020 gründeten die CIR und andere relevante Akteur*innen die Partnerschaft für Nachhaltigen Orangensaft (PANAO). Ziel ist die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen von Arbeiter*innen entlang der Orangensaft-Lieferkette, angefangen auf den Orangenpantagen Brasiliens. Entscheidend für den Erfolg von Multi-Akteurs-Partnerschaften ist die gleichberechtigte Beteiligung aller Akteur*innen, egal ob aus der Wirtschaft, Zivilgesellschaft oder aus betroffenen Gruppen. Dieser Partizipationsprozess birgt jedoch viele Herausforderungen.

 

Der Besuch einer brasilianischen Orangenplantage im Juli 2019. Es beginnt die Planung der Multi-Akteurs-Partnerschaft mit den Kleinbäuer*innen. Foto: Andréa de Moraes Barros/ CIR.

Multi-Akteurs-Partnerschaften (kurz: MAP) sind eine Kooperationsform in der internationalen Zusammenarbeit, bei der verschiedene Akteur*innen aus Politik, Zivilgesellschaft, Privatwirtschaft oder Wissenschaft auf Augenhöhe zusammenkommen. Für die sehr unterschiedlichen Akteur*innen ist die Umverteilung von Macht ein wichtiges Instrument für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Denn die Machtumverteilung ermöglicht es auch direkt von politischen und wirtschaftlichen Prozessen betroffenen Personen und Gruppen, aktiv in Veränderungsprozesse einbezogen zu werden, um Verbesserungen ihrer Lebenswirklichkeit herbeizuführen.

Nicht selten werden in solchen Gruppenkonstellationen jedoch gesellschaftliche Machtverhältnisse reproduziert: So haben Wirtschaftsunternehmen in der Regel eine große Lobby, ihre Stimme wird gehört. Demgegenüber haben andere Akteur*innen wie Arbeiter*innen in der Regel keine Lobby und werden deshalb in der Masse oft überhört. Kommen diese Gruppen nun zusammen in einer gemeinschaftlichen Partnerschaft, in der sie ein gemeinsames Ziel verfolgen, ist es nicht selten der Fall, dass auch hier Unternehmen gegenüber wirtschaftlich schwächeren Gruppen mehr Macht genießen und eher in der Lage sind, ihren Anliegen Gehör zu verschaffen. Die dominanten Akteur*innen mit mehr Entscheidungsmacht können dann zwar argumentieren, dass alle Beteiligten mit einbezogen wurden. Allerdings gelingt es den gesellschaftlich schwächeren Akteur*innen selten, ihre Interessen durchzusetzen. Das führt schließlich oft zu Frustration und Demotivation.

Die Herausforderung in Multi-Akteurs-Partnerschaften besteht am Ende darin, Akteur*innen mit sehr unterschiedlichen Funktionen und Hintergründen zusammenzubringen und gleichberechtigt Lösungen zur Überwindung gesellschaftlicher Probleme zu erarbeiten.

Die Arbeit der Multi-Akteurs-Partnerschaft PANAO im Fokus

Seit 2013 prangert die CIR die Ungleichheit und Menschenrechtsverletzungen der brasilianisch-deutschen Orangensaftproduktionskette an. Durch diese Arbeit sind Gruppen von relevanten Akteur*innen aus Wirtschaft, Gewerkschaft, Staat und Zivilgesellschaft zusammengekommen, um im Dezember 2020 in Deutschland die Multi-Akteurs-Partnerschaft für Nachhaltigen Orangensaft zu gründen (PANAO).

Das erste gemeinsame Ziel ist die Verbesserung der Lebensbedingungen, der Arbeit, der Löhne und des Einkommens der Arbeiter*innen und Kleinbäuer*innen auf den Orangenplantagen (Anbau). Seit Anfang 2021 findet nun ein Beteiligungsprozess relevanter lokaler Akteur*innen in Brasilien statt. Die Beteiligung der betroffenen Gruppen vor Ort ist wesentlich für den Erfolg des Projekts, da sie am besten beurteilen können, welche Umstände sich wie verändern müssen. Dafür muss die Verteilung der Entscheidungsgewalt der Akteur*innen gerecht gestaltet werden, um ein fruchtbares, gleichberechtigtes Zusammenarbeiten zu ermöglichen.

Herausforderung in der Zusammenarbeit: Gleichberechtigte Teilhabe

Die CIR unterstützt das brasilianische Bündnis der Zivilgesellschaft in Zusammenarbeit mit der lokalen Menschenrechts-Partnerorganisation Repórter Brasil. Gemeinsam mit der MAP PANAO will das Bündnis Verbesserungsmaßnahmen gestalten. Laut Piero Locatelli, Vertreter von Repórter Brasil, befindet sich die Mobilisierung von PANAO in Brasilien noch im Anfangsstadium. Eine der Schwächen, auf die Piero hinweist, ist die unzureichende Abstimmung der Ziele und Planungen von PANAO in Deutschland mit den brasilianischen Akteur*innen. „Landarbeiter*innen und Kleinbäuer*innen sind in der Lieferkette von Orangensaft relevante Akteur*innen und gleichzeitig die am stärksten Betroffenen. Aus diesem Grund sollten sie die Maßnahmen zur Verbesserung ihrer Situation in dieser Lieferkette mitbestimmen. Nur so werden wir eine Partnerschaft schaffen, die die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen erreichen kann“, so Locatelli.

CIR-Referentin und Projektkoordinatorin für PANAO Andréa Moraes Barros erklärt: „Die Mobilisierung der Zivilgesellschaft in Brasilien eröffnet auch Möglichkeiten für die Vernetzung mit der deutschen Zivilgesellschaft. Mithilfe dieses Erfahrungsaustauschs wollen wir neue Mechanismen der Steuerung und Beteiligung innerhalb von PANAO entwickeln. Dadurch sollen diejenigen, die von den Ungleichheiten dieser Produktionskette am meisten betroffen sind, und die Zivilgesellschaft bei Entscheidungsprozessen der Partnerschaft mitwirken. Diese Vernetzung und die Mitbestimmung der lokalen Akteur*innen in den MAP-Maßnahmen sind erfolgsentscheidend aber gleichzeitig auch unsere größte Herausforderung.”

Porträt von Andrea de Moraes Barros

Ich bin für Ihre Fragen da:

Andrea de Moraes Barros
Projektkoordinatorin Multiakteurs-Partnerschaft Orangensaft, Brasilien
moraesbarrosnoSpam@ci-romero.de
Telefon: 0251 – 674413-23