
Oktober 2026
Vor drei Jahren empörte eine Kupfermine die Bevölkerung Panamas. Nach landesweiten Protesten und einem Urteil des Obersten Gerichts ließ die damalige Regierung die Megamine schließen. Jetzt bereitet die aktuelle Regierung eine Wiedereröffnung vor. Umweltverbände und betroffene Gemeinden üben jedoch massive Kritik an der Umweltzerstörung und mangelhaften Kontrollverfahren. Der deutsche Metallkonzern hat in der Vergangenheit große Mengen Kupfererz aus der Mine importiert und könnt dies auch in Zukunft wieder tun.
Im Mai dieses Jahres hatten Mitarbeiter*innen der Umweltorganisation CIAM Gelegenheit, an einem Helikopterflug über die Mine Cobre Panamá in der Provinz Colón an der Karibikküste teilzunehmen. Die Fotos, die dabei entstanden, zeigen eine apokalyptische Szenerie. Hinter einer industriellen Landschaft mit Containern und Lagerhallen befindet sich der gewaltige abgestufte Krater einer der größten Kupferminen Lateinamerikas (Foto links). Dahinter der Regenwald eines Naturschutzgebiets, das zum Biologischen Korridor Mesoamerika gehört. Eine andere Aufnahme zeigt das Rückhaltebecken, in dem die toxischen Rückstände der Kupferextraktion gelagert werden, der Übergang zum Regenwald fließend (Foto Mitte). Die Fotos machen den Begriff der „Opferzone“ (Sacrifice Zone) plastisch, der häufig von Umweltforscher*innen verwendet wird: Ein großes Gebiet wird wirtschaftlichen Interessen geopfert, Jahrzehnte anhaltende Umweltzerstörung wird in Kauf genommen.
In der Mine, vom kanadischen Bergbaukonzern First Quantum Minerals betrieben, wird aktuell kein Kupfererz abgebaut. Das Bergbauprojekt wurde im November 2023 nach einem Urteil des Obersten Gerichts geschlossen. Ein Rückblick: Um das Jahr 2010 begann das damalige Betreiberunternehmen mit der Installation der Mine und der großflächigen Abholzung. 2018 erklärte das Oberste Gericht die Mine für verfassungswidrig, unter anderem da die Konzession direkt und ohne das gesetzlich vorgeschriebene Vergabeverfahren vergeben wurde. Doch sowohl das Unternehmen als auch die Regierung ignorierten das Urteil.
2023 handelten Regierung und Unternehmen einen neuen Konzessionsvertrag aus. Der Vertragsentwurf empörte weite Teile der Bevölkerung, die ihn als ausbeuterisch und neokolonial empfanden. Es kam zu landesweiten Protesten, polizeilicher Repression und Gewaltepisoden, in denen fünf Personen starben. Im November 2023 erklärte das Oberste Gericht auch den neuen Vertragsentwurf für verfassungswidrig. Dieses Mal ignorierte die Regierung das Urteil nicht und ordnete die Schließung der Mine an.
Als die Auseinandersetzungen um die Mine 2023 ihren Höhepunkt erreichten, stellten Recherchen der CIR fest, dass der Hamburger Metallkonzern Aurubis seit Jahren große Mengen Kupferkonzentrat aus der Mine importierte – was der Konzern der CIR gegenüber einräumte. Im Februar 2025 legten die panamaische Umweltorganisation CIAM und die CIR einen Hinweis bei der Bundesanstalt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) im Rahmen des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes vor. Darin wird die Behörde darauf aufmerksam gemacht, dass Aurubis jahrelang Kupfererz aus einer Mine ohne gültigen Konzessionsvertrag bezog und das damit in Verbindung stehende Konfliktpotential nicht beachtete.
Zudem werden zahlreiche vom Umweltministerium identifizierte Umweltrechtsverletzungen angeführt. Auch nach der Schließung können diese weiterhin gesundheitliche Auswirkungen auf die Anwohner*innen der Mine haben. Viele von ihnen wagen es nicht mehr, das Wasser aus den Flüssen im Schutzgebiet zu trinken. Dadurch ist das Recht auf sauberes Trinkwasser eingeschränkt, das im Lieferkettengesetz als Rechtsgut enthalten ist. In der Korrespondenz mit der CIR verwies Aurubis immer wieder auf ein Umweltaudit, das die Regierung bei einem Schweizer Konzern in Auftrag gegeben hat. Damit sollten die tatsächlichen Umweltauswirkungen geprüft werden.
Genau dieser Prüfbericht wurde im Juni dieses Jahres veröffentlicht. Für die Befürworter*innen des Megabergbaus ist er die wichtigste Grundlage, um eine Wiederöffnung der Mine zu fordern. Denn der Bericht bescheinigt dem Unternehmen die Einhaltung von über 87 Prozent der Auflagen. Doch CIAM stellt die Validität des Berichts in Zweifel. Der Prüfbericht des Schweizer Unternehmens SGS enthalte bei über 40 Prozent der Auflagen keine ausreichenden Belege. Zudem habe das Prüfteams selbst keine Kontrollen der Wasserqualität durchgeführt. Besonders gefährlich für die Gemeinden im Umfeld: Der Bericht enthält keine Belege über ausreichende Sicherheitsvorkehrungen in Bezug auf das mit Bergbaurückständen befüllte Rückhaltebecken. Ein mangelhafter Umgang mit dem Risiko eines Dammbruchs kann Menschenleben gefährden, wie der Fall der Mine Buena Vista del Cobre in Mexiko zeigt.
Damm des mit Bergbauschlamm befüllten Rückhaltebeckens, von dem Umweltschützer*innen befürchten, dass er brechen und eine Umweltkatastrophe verursachen könnte. Foto: CIAM
„Das ist nicht die Prüfung, die uns in Aussicht gestellt wurde. Keineswegs kann auf Grundlage des Audits über eine Wiederöffnung der Mine entschieden werden“, stellt Lilian Guevera, Geschäftsführerin von CIAM, klar. Gegen Ende des Jahres wird eine Regierungskommission über die Zukunft der Mine entscheiden. Eine Wiederaufnahme der Bergbautätigkeiten erscheint immer wahrscheinlicher. Der rechtsgerichtete Präsident José Raúl Mulino macht Cobre Panamá zur Chefsache: „Ich werde der erste sein, der dem Land die Entscheidung mitteilen wird, damit alle Bescheid wissen, wo die Sache hingeht“, sagte er Anfang Juli.
Im Zusammenhang mit der Mine bricht aktuell der Konflikt um das Entwicklungsmodell des kleinen mittelamerikanischen Landes wieder auf. Die Schließung der Mine habe das Land wichtige Punkte des Wirtschaftswachstums gekostet. Eine Wiedereröffnung würde zehntausende Jobs schaffen, so der Wirtschaftswissenschaftler Alfredo du Bois. Ja, gesteht der Soziologe Florencio Díaz Pinzón ein, das Wirtschaftsmodell des Extraktivismus, das auf den Rohstoffexport im großen Stil setzt, könne kurzfristige wirtschaftliche Gewinne bringen. Jedoch lasse er den Staat und die Gesellschaft mit den Folgeschäden wie der Kontamination, der Umweltdegradierung und den Kosten für die Sanierung zurück.
Das Ringen um die Mine spiegelt sich auch in aktuellen Meinungsumfragen wider. Je nach Auftraggeber haben mal die Gegner*innen der Mine die Mehrheit, mal die Befürworter*innen. Einer Umfrage der Tageszeitung La Estrella de Panamá zufolge lehnen 74 Prozent der Bevölkerung eine Wiedereröffnung der Mine ab, selbst dann wenn der Staat bessere Vertragsbedingungen für das Land aushandelt. Viele Mitglieder der Gemeinden im Umfeld der Mine haben genug vom Rohstoffabbau gesehen. Sie wollen ihre Lebensgrundlagen für die Landwirtschaft und Fischerei erhalten. Währenddessen versucht First Quantum Minerals, die öffentliche Meinung mit einer massiven Imagekampagne in den sozialen Medien mit vielen lachenden Gesichtern und romantischen Naturszenen zu beeinflussen. Geworben wird mit Arbeitsplätzen und sozialem Engagement.
Der Hamburger Metallkonzern schrieb uns vor kurzem, dass er aufgrund des Audits keine Veranlassung für weitere Maßnahmen und Untersuchung sehe. Aurubis warte die weitere Entwicklung ab. Sporadisch beziehe Aurubis Konzentrat aus bereits seit mehreren Jahren bei Cobre Panamá lagerndem Erz, das zur Vermeidung von Umweltbeeinträchtigungen verarbeitet werde. Die Umweltorganisation CIAM ließ Aurubis daraufhin Dokumente über die umweltbezogenen Risiken und die Kritik am Audit zukommen. Aurubis antwortete, das Unternehmen werde die Dokumente analysieren. Auf der Hauptversammlung im Februar räumte das Unternehmen auf Nachfrage der CIR ein, im vergangenen Jahr 30.000 Tonnen Kupferkonzentrat importiert zu haben, das noch auf dem Minengelände lagerte. Vor kurzem gestattete die Regierung, dass weiteres Konzentrat aus bereits abgebautem Gestein hergestellt werden soll. „Die potenziellen Käufer*innen müssen beachten, dass diese Mineralien durch eine illegale und verfassungswidrige Konzession abgebaut wurden“, sagt dazu Lilian Guevara von CIAM. Bisher ist unklar, wie das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle auf den Hinweis im Rahmen des Lieferkettengesetzes reagieren wird. Und wie Aurubis seiner Pflicht gemäß Lieferkettengesetz nachkommt zu verhindern, dass die Mine wieder gewaltsame Konflikte und Umweltzerstörung verursacht.

Ich bin für Ihre Fragen da:
Christian Wimberger
2. Bereichsleitung Inland/Kampagnen
Referent für Guatemala und Unternehmensverantwortung
wimberger@ci-romero.de
Telefon: 0251 - 674413-21
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