Unternehmensverantwortung

Aurubis: Keine Transparenz bei Hochrisiko-Kupferminen

Gemeinsame Pressemitteilung zur Hauptversammlung der Aurubis AG

Pressemitteilung vom 11. Februar 2026

Zur Hauptversammlung der Aurubis AG am 12. Februar fordern Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen von Europas größtem Kupferkonzern die Einhaltung des Lieferkettengesetzes. Nach der Romero Initiative (CIR) hat auch das katholische Hilfswerk Misereor beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) Beschwerde gegen Aurubis eingereicht. Inzwischen hat das BAFA bestätigt, in allen Fällen wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Lieferkettengesetz eine Prüfung von Aurubis einzuleiten.

„Seit Jahren fordern Aktionäre Einsicht in die Lieferbeziehungen von Aurubis, um Reputations-, Regulatorik- und Menschenrechtsrisiken überprüfen zu können“, sagt Luca Schiewe von Facing Finance. Doch Aurubis verweigert dies hartnäckig, trotz zugesicherter Vertraulichkeit. Dabei ist bekannt, dass Aurubis Kupfererz aus Minen bezogen hat, die durch Schwermetallverseuchung, erhöhte Krebsraten, Korruption, Zwangsumsiedlungen und Folter von Protestierenden auf Minengelände aufgefallen sind. „Der vom Vorstand angekündigte Kulturwandel muss sich auch in einer anderen Haltung gegenüber den Aktionären zeigen“, fordert Schiewe. „Transparenz ist Bestandteil eines rationalen Lieferkettenmanagements.“

Beschwerden endlich ernst nehmen

Bei der größten Bergbaukatastrophe in der Geschichte Mexikos im August 2014 hatten sich 40.000 Kubikmeter einer sauren Kupfersulfatlösung aus einem Rückhaltebecken der Kupfermine Buenavista del Cobre, einer Tochtergesellschaft der Grupo México, in den Sonora-Fluss ergossen. Die Folgen für Umwelt, Landwirtschaft und die Gesundheit von rund 22.000 Menschen sind gravierend. „Anstatt seine Verantwortung zu leugnen, muss Aurubis die Lieferketten-Beschwerden der Betroffenen endlich ernst nehmen und konkrete Abhilfemaßnahmen umsetzen“, verlangt CIR-Referent Christian Wimberger. „Das Unternehmen muss sich langfristig auf menschenrechtliche Pflichten für seine Lieferketten einstellen, denn auch durch die Reform des EU-Lieferkettengesetzes wird Aurubis aufgrund der Unternehmensgröße nicht aus der Verantwortung entlassen.“

Das katholische Hilfswerk Misereor hat am 25.11.2025 gemeinsam mit Betroffenen von Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzungen in Peru und der peruanischen Organisation Red Muqui zwei BAFA-Beschwerden gegen Aurubis eingelegt. „Wir werfen dem Unternehmen vor, gegen gesetzliche Sorgfaltspflichten aus dem Lieferkettengesetz zu verstoßen und Kupferkonzentrate aus Minen in Peru zu importieren, bei deren Betrieb es zu schweren Menschenrechtsverletzungen und Umweltverschmutzungen gekommen ist“, erklärt Mattes Tempelmann von Misereor. „Aurubis trägt als Kupferimporteur nach unseren Recherchen eine große Mitverantwortung am Leid vieler Menschen. Wir fordern, dass Aurubis in Absprache mit den Betroffenen vor Ort, effektive Maßnahmen zur Beendigung der Menschenrechtsverletzungen in Puerto Huarmey und im Tumilaca-Tal umsetzt und damit ihre Pflichten gemäß dem Lieferkettengesetz nachkommt“, so Tempelmann.

Besserer Schutz für Whistleblower?

„Mit dem Motto Forging resilience. Leading in multimetal. Widerstandsfähigkeit schmieden. Führend in der Multimetallverarbeitung zeigt sich Aurubis als selbstbewusstes Unternehmen“, sagt Markus Dufner, Geschäftsführer des Dachverbands. „Aber wie reagiert der Konzern auf Kritik und wie hält er es mit dem Schutz von Whistleblowern, die auf Missstände im Unternehmen hinweisen? Wir hoffen, dass das 2025 eingeführte Hinweisgebersystem besser ist als sein Vorgänger und einen besseren Schutz insbesondere im internationalen Kontext bietet.“

„Aurubis trägt auch eine Verantwortung für den Schutz von Natura-2000-Gebieten“, erklärt Ulf Georgiew, Vorstandsmitglied des Dachverbands. „Trotz der unmittelbaren Nähe von Standorten wie Hamburg und Pirdop werden diese Schutzgebiete in den aktuellen Nachhaltigkeits- und nichtfinanziellen Berichten nicht mehr ausgewiesen, obwohl frühere Berichte konkrete Schutzmaßnahmen dokumentierten.“

Hintergrund

Die Nichtregierungsorganisationen versammeln am 12. Februar um 8.30 Uhr zu einem Protest vor dem CCH-Congress Center, Congressplatz 1, 20355 Hamburg.

Unterzeichnende Organisationen dieser Pressemitteilung:

Dachverband Kritische Aktionäre
Facing Finance
Goliathwatch
Kampagne Bergbau Peru
Misereor
Romero Initiative (CIR)

Porträt von Christian Wimberger

Ich bin für Ihre Fragen da:

Christian Wimberger
2. Bereichsleitung Inland/Kampagnen
Referent für Guatemala und Unternehmensverantwortung

wimbergernoSpam@ci-romero.de
Telefon: 0251 - 674413-21

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