Spielzeug und Arbeitsrechte
Hello Kitty-Figuren aus einer chinesischen Spielzeug-Fabrik
Hello Kitty-Figuren aus einer chinesischen Spielzeug-Fabrik ©China Labor Watch

Neue fair spielt-Firmenliste

Das fair spielt Logo

Unser Kollege Uwe Kleinert von der Werkstatt Ökonomie befragt einmal im Jahr die Spielzeugunternehmen Deutschlands zu ihrem Engagement im brancheneigenen Programm zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Lieferkette, dem Ethical Toy Program (bisher: ICTI CARE-Prozess).

Die aufschlussreichen Ergebnisse wurden nun in einer übersichtlichen Liste veröffentlicht.

Die aktuelle Umfrage vom Januar 2018 zeigt, dass es dem Programm weiterhin nicht gelingt, die Markenfirmen einzubinden. Einige wenige Unternehmen geben bereitwillig Auskunft über die Wahrnehmung ihrer Lieferkettenverantwortung, bei anderen hat das Engagement deutlich nachgelassen, wiederum andere haben noch nie Auskunft gegeben. Freiwilligkeit stößt da an ihre Grenzen – überhaupt, wenn jede Transparenz fehlt und Sanktionen nicht zu befürchten sind.

Für uns ein Grund mehr, verbindliche Gesetze und Regulierungen zur Unternehmensverantwortung in der Spielwaren-Branche zu fordern!

Verantwortung in der Spielwarenindustrie

Mehr Schein als Sein?

Das CSR-Magazin berichtet in der Ausgabe 1/2018 über die "zaghaften Ansätze" von Corporate Social Responsibility in der deutschen Spielwarenbranche und unsere Zweifel an der Wirksamkeit der freiwilligen Maßnahmen.

Hier klicken für die empfehlenswerte Lektüre

Undercover in chinesischen Spielwaren-Fabriken

Rund 80 Prozent der in Deutschland verkauften Spielwaren kommen aus China.
Die investigative Recherche der Arbeitsrechtsorganisationen Solidar Suisse, China Labor Watch (CLW) und Christliche Initiative Romero (CIR) 2017 zeigt, wie die Rechte der Arbeiter*innen dort grob missachtet werden. Gefährliche Chemikalien, überlange Arbeitszeiten und mangelnde Hygiene bestimmen die Produktion für das Weihnachtsgeschäft, wie heimlich aufgenommene Fotos belegen.

Der Arbeitsschutz ist ungenügend, selbst wenn mit gefährlichen Chemikalien gearbeitet wird. Wehren können sich die Arbeiter*innen kaum, da Arbeitnehmer*innen-Vertretungen fehlen.

„Ich war an der letzten Station des Produktionsprozesses positioniert und musste die Heißklebe-Maschine nutzen, um die Barbie in der Plastik-Verpackung zu befestigen. Ich wurde nicht unterrichtet, einen Mundschutz oder Handschuhe zu tragen. Nach einer Weile sah der Kleber auf meinen Händen wie eine zweite Hautschicht aus. Ich war so erschöpft, meine Hände hörten nicht auf zu arbeiten und ich hatte keine Zeit, mich auszuruhen”.

So lautet der Auszug aus dem Tagebuch eines verdeckten Ermittlers, der sich als Arbeiter in eine Fabrik einschleuste.

Exklusive Fotos der Undercover-Ermittler zeigen auch die katastrophalen Lebensumstände der Arbeiter*innen. Bilder belegen, dass acht oder mehr Personen in spartanische Schlafräume gepfercht werden und die sanitären Anlagen eine Zumutung sind.

Den Toys Report 2017 (auf Deutsch) können Sie hier lesen und herunterladen.

Den ausführlichen Bericht in englischer Sprache finden Sie hier

Die Presse hat zahlreich berichtet über die Zustände in den chinesischen Spielzeugfabriken. Hier finden Sie eine Artikel-Auswahl:

Eindrücke aus den Spielzeug-Fabriken und Unterkünften der Arbeiter*innen

Klicken Sie auf ein Bild und blättern Sie dann durch die Fotos.
Zur freien Verwendung für die Berichterstattung unter Angabe von Copyright by China Labor Watch.

Den Toys Report 2017 (auf Deutsch) können Sie hier lesen und herunterladen.

  • erschöpfte Arbeiter*innen schlafen auf Fabrik-Boden
  • Produktion von Köpfen für Barbie-Puppen
  • Spielwaren-Produktion in Fabrik
  • Badezimmer ohne fließendes Wasser in Fabrik-Unterkunft
  • Schlafraum in Fabrik-Unterkunft
  • Schlafraum in Fabrikunterkunft für 9 Arbeiter*innen. 10. Bett dient als Lagerplatz.
  • Arbeiter*innen in Produktionslinie
  • Schlafraum in Fabrik-Unterkunft
  • Stark verschmutzte Küche in Fabrik-Mensa

Unternehmensverantwortung: Fehlanzeige?!

Die engagierten Schüler*innen aus Nürnberg
Die engagierten Schüler*innen aus Nürnberg (c) Frank Braun

Regelmäßig werden auf der internationalen Spielwarenmesse in Nürnberg innovative Produktideen mit dem ToyAward ausgezeichnet. Dies nahmen sich Schüler*innen der UNESCO-Gruppe des Hans-Sachs-Gymnasiums in Nürnberg zum Anlass, gemeinsam mit dem Nürnberger Bündnis Fair Toys (NBFT) die für den ToyAward nominierten Unternehmen während eines Messerundgangs am 2.2.18 zu ihrem Beitrag zur Unternehmensverantwortung zu befragen.

Die Schüler*innen erhielten ernüchternde Rückmeldungen bezüglich der Einhaltung der Umwelt- und Sozialstandards in der Produktion der Spielwaren. Die 16-jährige Shana Amigo, 10. Klasse, berichtet: "Obwohl unsere Besuche angekündigt gewesen sind, konnten wir von vielen Unternehmen keine Auskünfte zu Nachhaltigkeit erhalten." Benedikt Wille, 17 Jahre, 11. Klasse, ergänzt: "Was uns schockiert hat, ist, dass wir die Einzigen waren, die auf der Spielwarenmesse zu Nachhaltigkeit nachgefragt haben."

Diese Beobachtungen entsprechen auch den Einschätzungen des Nürnberger Bündnis Fair Toys (die CIR ist Mitglied). Im Rahmen der Spielwarenmesse stellte das Bündnis diese Kritik auf einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vor. Besonders eklatant ist die geringe Relevanz der Corporate Social Responsibility (CSR) auf der Agenda der Spielwarenmesse sowie in den Kriterien zur Vergabe des ToyAwards. Obwohl im Jahr 2016 unter Mitwirkung des Nürnberger Bündnisses bereits die für den ToyAward nominierten Unternehmen dazu aufgerufen worden waren, über ihr Engagement im Bereich Sozial- und Umweltstandards zu informieren, wurde dieser freiwillige Passus zur diesjährigen Preisverleihung wieder abgeschafft. Eine rückwärtsgewandte Entscheidung!

Nürnberger Bündnis Fair Toys nimmt Fahrt auf

Die Workshop-Teilnehmer*innen des NBFT, Foto: EJN
Die Workshop-Teilnehmer*innen, Foto: EJN

Am 15. Januar 2018 trafen sich Vertreter*innen des Nürnberger Bündnis Fair Toys (NBFT), um das gemeinsame Engagement für würdige Arbeitsbedingungen in der Spielzeugindustrie festzulegen und die Aktivitäten für 2018 zu planen.
Bisher sind noch kaum Unternehmen aus der Spielzeugindustrie bereit, ihre Einkaufspraxis strukturell zu ändern, sodass die Umsetzung von Arbeitsrechten bei der Produktion z.B. in China machbar wäre. Deswegen muss die Information der Öffentlichkeit auch in 2018 im Fokus stehen.
Aus diesem Grunde steht am 2. Februar ein Messerundgang mit Schüler*innen und Stadträt*innen und anschließender Pressekonferenz in der Spielzeug-Messe auf dem Programm. In der ersten Hälfte des Jahres wird eine großangelegte Studie zu den CSR-Anstrengungen aller Spielzeug-Unternehmen in Deutschland erscheinen.

Das Nürnberger Bündnis, das war deutlich zu spüren, erwartet konkrete Taten der Industrie. Dass dieses Jahr bei der Verleihung des ToyAward, dem Neuheitenpreis der Nürnberger Spielzeugmesse, die Frage nach dem Engagement für Arbeitsrechte einfach unter den Tisch fällt, wurde von den Wokshop-Teilnehmer*innen als skandalös und rückwärtsgewandt empfunden.

Zur vollständigen Pressemitteilung

Workshop-Teilnehmer*innen und Mitglieder des NBFT:
Hochschule Würzburg-Schweinfurt, Fakultät Wirtschaftswissenschaften; Weltgebetstag der Frauen; Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg; Fa. Naturkiste; AWO; Mission Eine Welt; BDKJ; Nürnberger Menschenrechtszentrum, Evang. Jugend Nürnberg; KAB; Christliche Initiative Romero (CIR)

Ihr Ansprechpartner

Patrick Niemann

Spielzeug, Rohstoffe
Öffnet einen E-Mail-Link zum VersandniemannnoSpam@ci-romero.de 

Ihr Ansprechpartner

Maik Pflaum

Arbeitsrechte, Kampagne für Saubere Kleidung
Öffnet einen E-Mail-Link zum VersandpflaumnoSpam@ci-romero.de 

Die CIR ist Mitglied im Nürnberger Bündnis Fair Toys, das sich seit über 10 Jahren für die Beachtung der Menschenrechte und grundlegender Arbeitsnormen in der Spielzeugindustrie einsetzt.

© 2018 Christliche Initiative Romero e.V.