Konzerne und Label unter der Lupe

ALDI Nord/Süd

Essen/Mülheim an der Ruhr, Deutschland

Unternehmen

Die Gebrüder Albrecht teilten 1960 die Stammfirma Albrecht KG in zwei rechtlich und organisatorisch unabhängige Firmen, Aldi Nord (Theo) und Aldi Süd (Karl). Beide Unternehmen verfolgen sowohl im Inland als auch im Ausland eine strikte regionale Trennung ihrer Filialnetze. Aldi hat rund 1.200 Artikel im Sortiment und erwirtschaftet insgesamt über 90% des Umsatzes mit Eigenmarken. Neben dem Basissortiment gibt es noch ca. 80 Aktionsartikel pro Woche. Aldi hat in Deutschland und weltweit mit einem Umsatz von mehr als 65 Milliarden Euro den ersten Platz unter den Discountern inne. Neben der Beschränkung der Artikelvielfalt ist die Beschaffungsstrategie ein wesentlicher Grund für die Kostenführerschaft von Aldi.

Soziales

  • Maßgeblich für die Zusammenarbeit mit Lieferanten sind die ALDI „Sozialstandards in der Produktion“. Sie basieren u. a. auf den Kernarbeitsnormen der ILO, beinhalten aber keine Forderung nach existenzsichernden Löhnen.
  • Das Recht auf Vereinigungsfreiheit und Kollektivverhandlungen wird nicht aktiv gefördert.
  • Mit dem Pilotprojekt AFA bei strategisch wichtigen Produktionsstätten, die über 40% des Einkaufsvolumens von Bekleidungstextilien in Bangladesch für Aldi herstellen, soll der Dialog und Lernprozess zwischen Arbeiter*innen und Management verbessert werden (Capacity Building).
  • 2013 unterzeichnete Aldi das Abkommen über Brandschutz und Gebäudesicherheit in Bangladesch.

Ökologie

  • Seit 2016 schließen Aldi Nord und Süd den direkten Einsatz bestimmter bienentoxischer Wirkstoffe beim Anbau von deutschem Obst und Gemüse aus.
  • Eine Verpflichtung zum Verzicht auf bestimmte Chemikalien in der Textil- und Schuhproduktion bis 2020 (Detox-Verpflichtung) wurde von Aldi Nord und Süd unterzeichnet.
  • Angestrebt wird eine Reduzierung des Energieverbrauchs durch effizientere Technik, u. a. LED-Beleuchtung in allen neuen Filialen.
  • Die Eigennutzungsquote der selbstgewonnenen Energie wird erhöht, z. B. durch Fotovoltaikanlagen in Verkaufsstellen.
  • Seit 1. Januar 2017 handelt Aldi Süd klimaneutral.
  • Abfallmanagement wird gefördert, u. a. durch Reduktion von Abfall sowie Lebensmittelspenden.

Glaubwürdigkeit

  • Aldi ist seit 2008 Mitglied der BSCI und verpflichtete zahlreiche Zulieferer ebenfalls zu diesem Schritt. Dies hat zu einer Explosion der Mitgliedszahlen bei BSCI geführt.
  • Es gibt ein Risikomapping, bevor Ware bezogen wird, das auf Audits beruht.
  • Bei Obst und Gemüse setzt Aldi auf GRASP ( GLOBAL G.A.P.) mit dem Ziel, bis 2018 100 % zu erreichen.
  • Bei Aldi Nord liefert der Transparenz Code (ATC) Informationen über die Herkunft von Fleisch und Eiern; bei Aldi Süd kann der Tracking-Code auf der Website und via Smartphone eingegeben werden, um mehr Informationen zur Herkunft von Fisch, Eiern und Fleisch zu erhalten.
  • Ein integrierter Nachhaltigkeitsbericht nach den Vorgaben der GRI (G4) wurde 2016 erstmalig veröffentlicht.
  • Aldi ist u. a. Mitglied im Bündnis für nachhaltige Textilien, dem Forum für Nachhaltigen Kakao, beim Runden Tisch für Nachhaltiges Palmöl RSPO sowie bei der Global Coffee Platform (GCP).

 

Kommentar CIR

Die Sozialstandards von Aldi Nord und Süd sind unzureichend. Existenzsichernde Löhne werden nicht gefordert, das Recht auf Vereinigungsfreiheit und Kollektivverhandlungen wird nicht aktiv unterstützt. Die Discounter berücksichtigen die negativen Auswirkungen der eigenen Beschaffungspolitik auf die Arbeitsbedingungen nur ungenügend. Aldi Nord und Süd sind nicht in eine unabhängige Verifizierung durch einen Multi-Stakeholder-Ansatz involviert. Im ökologischen Bereich ist positiv zu erwähnen, dass Aldi Nord und Süd auf bestimmte bienentoxische Wirkstoffe sowie Chemikalien der Detox-Verpflichtung verzichten. Mit dem integrierten Nachhaltigkeitsbericht nach den GRI-Leitlinien zählt Aldi zu den Vorreitern im Einzelhandel und informiert transparent über zertifizierte Produkte.

Stand: August 2017

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