“Wir werden nicht erlauben, dass das Bergbauunternehmen unserem Leben ein Ende setzt.”

Alejandrina aus Bacanuchi/Mexiko

Der deutsche Rohstoffhunger

Eine Studie über die Auswirkungen der Palmöl- und Kupfererzproduktion in Guatemala und Mexiko

Was haben Palmöl und Kupfer miteinander zu tun?

Zumindest rein materiell scheinen Palmöl und Kupfer- bzw. Molybdänerz nicht viel gemeinsam zu haben. Doch für unser Produktions- und Konsummodell haben beide die Bedeutung von Massenrohstoffen. Länder wie Mexiko und Guatemala produzieren sie massenhaft und richten ihre Wirtschaft auf den Export aus. Die Rohstoffe werden von deutschen Unternehmen importiert, die sie für die Verarbeitung in Alltagsprodukten wie Donuts und Smartphones aufbereiten. Die Studie „Der deutsche Rohstoffhunger“ zeigt auf, dass die Produktion der Rohstoffe ähnliche menschenrechtliche Folgen hat.

Verwendung der Rohstoffe. Illustration: Sarah Katharina Heuzeroth

Welche Folgen hat die Rohstoffproduktion?

Maribel aus Bacanuchi in Mexiko und Rosa (Name geändert) aus Alta Verapaz in Guatemala wurden für die Studie befragt und schildern hier die Auswirkungen der Rohstoffproduktion.

Zeichnung: Ulrike Pfund

Maribel aus Bacanuchi/Mexiko

Seit dem 6. August 2014 ist für uns nichts mehr wie zuvor. Durch eine nachlässige Sicherheitspolitik hat der Bergbaukonzern Grupo México einen Dammbruch in der Mine Buena Vista del Cobre verschuldet. Dadurch haben sich über 40.000 Tonnen giftigen Bergbauschlamms in den Sonora-Fluss ergossen. Die Landwirtschaft war unsere Einkommensquelle. Heute können wir kaum noch Nahrungsmittel produzieren, weil Böden und Gewässer kontaminiert sind. Bei mehr als 350 Personen wurden hohe Metallkonzentrationen im Blut oder Haut- und Gefäßkrankheiten festgestellt. Ich selbst leide an einer Hautkrankheit. Meine Hände und Füße sind von Wunden zerfurcht. Viele Menschen leiden unter ständiger Angst, krank zu werden. Grupo México hat weder Wasseraufbereitungsanlagen zur Verfügung gestellt, noch die versprochene Gesundheits-station eingerichtet. Wir fordern eine Behebung der Schäden und angemessene Entschädigung!

Zeichnung: Ulrike Pfund

Rosa aus Alta Verapaz/Guatemala

Der Palmöl-Anbau gewinnt in Guatemala immer stärker an Bedeutung. Die Expansion der Palmölplantagen schadet der Gesundheit der anliegenden Gemeinden. Vor allem Kinder leiden an Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Husten und Hautkrankheiten. Außerdem zerstört der expansive Anbau unsere Natur. Im Munizip Chisec beispielsweise werden die Flüsse durch den Einsatz von Insektiziden und Pestiziden kontaminiert. Der Fluss El Jute wurde im Jahr 2013 vergiftet, der Fluss La Pasión 2015, der Fluss San Román 2017. Wir haben sowohl das Abholzen der Bäume als auch die Kontaminierung der Flüsse kritisiert, aber es ist nichts passiert. Und wer die Unternehmen anklagt, riskiert sein Leben. So wie der Umweltaktivist Rigoberto Lima Choc, der 2015 als einer der ersten das Unternehmen REPSA öffentlich für die Kontaminierung des Flusses La Pasión verantwortlich machte und danach ermordet wurde.

Welche deutschen Unternehmen sind involviert?

Der Biotreibstoffhersteller ADM Mainz GmbH und der Lebensmittelhersteller Vandemoortele Deutschland GmbH beziehen oder bezogen bis vor Kurzem Palmöl von Palmölplantagen, welche die von Rosa geschilderten Menschenrechtsverletzungen und Umweltvergehen begangen haben. Vandemoortele beliefert den Lebensmitteleinzelhändler Edeka u. a. mit palmölhaltigen Kuchen und Donuts.

Zeichnung: Ulrike Pfund

Die Unternehmen Aurubis und ThyssenKrupp importieren Kupfer- bzw. Molybdänerz von Tochterunternehmen des Bergbaukonzerns Grupo México. Diese exportieren Erzkonzentrat aus allen Minen des Konzerns. Mit hoher Wahrscheinlichkeit stammt es zumindest teilweise aus der größten Mine Buena Vista del Cobre in Sonora.

Aurubis mit Sitz in Hamburg schmilzt das Erz ein und stellt reines Kupfer her, das in der Elektro- und Bauindustrie eingesetzt werden kann. Die Handelssparte von Thyssenkrupp vertreibt das Molybdänerz an weitere Unternehmen.

Zeichnung: Ulrike Pfund

Was muss sich ändern?

Gegen Gewinne ohen Gewissen hilft nur noch ein gesetzlicher Rahmen

 

 

 

 

 

 

 

Deutsche Unternehmen machen in vielen Fällen zu wenig, um Menschenrechtsverletzungen in ihren Lieferketten zu erkennen. Oder sie wissen davon und nehmen sie schlicht hin. Besonders die undurchsichtigen Rohstoffimporte zeigen: die Unternehmen müssen gesetzlich verpflichtet werden, die Einhaltung der Menschenrechte in ihren Lieferketten sicherzustellen.
Als Mitglied der Initiative Lieferkettengesetz fordert die CIR die Bundesregierung auf, einen gesetzlichen Rahmen zu menschenrechtlichen und ökologischen Sorgfaltspflichten zu verabschieden.

Foto: Maren Kuiter

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Porträt von Christian Wimberger

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