Unternehmensverantwortung

Ausbeutung von Mensch und Umwelt für die Palmöl-Produktion

Neues Video: Betroffene aus Guatemala über ein “Modell des Todes” und dessen Folgen

14. Februar 2021

Nach monatelangem Streit hat sich die Bundesregierung endlich auf einen Entwurf für ein Lieferkettengesetz geeinigt. Das Ergebnis: ein überfälliger Schritt in die richtige Richtung. Allerdings weist der Entwurf Schwächen an zentralen Stellen auf, die der Bundestag jetzt korrigieren muss. Das neue Video „Ein Modell des Todes – Palmölplantagen in Guatemala“ der Christlichen Initiative Romero (CIR) zeigt, warum wir ein starkes Lieferkettengesetz brauchen, das robuste Sorgfaltspflichten für den Schutz der Menschenrechte und der Umwelt in der gesamten Lieferkette vorschreibt.

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Indigene wehren sich in Guatemala gegen Plantagenbetreiber

Aktivist*innen und Betroffene aus unserem Partnerland Guatemala prangern im Video die rücksichtslose Ausbeutung von Menschen und Natur durch Palmölplantagen-Betreiber an. Sie berichten davon, dass ihnen diese Unternehmen buchstäblich das Wasser abgraben, um Palmöl u. a. für den deutschen Markt zu produzieren. „Wir wollen nur, dass sie uns als indigene Völker respektieren“, fordert der Aktivist Ángel Quib Tiul.

Die Interviewausschnitte verdeutlichen auf eindrückliche Weise, dass auch Einzelhandelsunternehmen wie EDEKA Menschenrechte und Umweltstandards schon bei der Rohstoffherstellung umsetzen müssen. Die Unternehmen in der Lieferkette sind ihrer Verantwortung im Rahmen freiwilliger Initiativen wie dem Roundtable on Sustainable Palmoil (RSPO) bisher nicht ausreichend nachgekommen. Für die betroffenen Menschen in Guatemala hat diese Verantwortungslosigkeit ganz konkrete Folgen: Sie berichten von Unterernährung, Krankheiten und der Entscheidung zur Migration, weil ihre Lebensqualität dermaßen unter den Folgen der Palmöl-Produktion leidet.

Aussagen machen Schwächen des Gesetzesentwurf deutlich

In Bezug auf diese Probleme ist vom Vorschlag der Bundesregierung für ein Lieferkettengesetz nur ein mangelhaftes Verbesserungspotential zu erwarten. Denn sowohl die Pflichten hinsichtlich des Umweltschutzes als auch für die tiefere Lieferkette – also z. B. bei der Rohstoffproduktion – sind im Entwurf nur schwach ausgestaltet. Auch ist kein erleichterter Zugang von Geschädigten von Menschenrechtsverletzungen zu deutschen Gerichten vorgesehen. Hier muss der Bundestag noch nachbessern!

Video entstand in Zusammenarbeit mit Colectivo Madre Selva

Im vergangenen Jahr baten wir unsere Partnerorganisation Colectivo Madre Selva, Interviews mit betroffenen Menschen und Aktivist*innen über die Auswirkungen der Palmölproduktion zu führen. Anhand der Stimmen der Menschen sollten die Erkenntnisse der CIR-Studie „Der deutsche Rohstoffhunger“ von 2019 anschaulich und greifbarer gemacht werden.

Colectivo Madre Selva setzt sich für Gemeinden ein, in denen Menschenrechte durch Großprojekte wie Monokulturen, Minen und Staudämme verletzt werden. Die Organisation führte die Interviews im Oktober 2020 mit Aktivist*innen in den Departments Alta Verapaz und Petén im Nordosten des mittelamerikanischen Landes. Die befragten Personen fühlen sich indigenen Gruppen zugehörig. Sie verteidigen die kulturellen Vorstellungen der Indigenen von harmonischen Verbindungen zwischen Menschen und Natur, die sie durch die Plantagenbetreiber massiv gestört sehen.

Betroffene sehen Akteur*innen in Deutschland in der Verantwortung

Aus den Interviews geht hervor, dass die betroffenen Menschen nicht nur den Staat und die Unternehmen in Guatemala in der Verantwortung sehen. Sie fordern auch, dass Akteur*innen in Ländern wie Deutschland, in denen das Palmöl in großen Mengen verwendet wird, wirksame Maßnahmen gegen Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung ergreifen. Uns motivieren diese Aussagen, uns weiter für ein wirkungsvolles Lieferkettengesetz einzusetzen!

Porträt von Christian Wimberger

Ich bin für Ihre Fragen da:

Christian Wimberger
Referent für Bergbau, öffentliche Beschaffung, Guatemala
wimbergernoSpam@ci-romero.de
Telefon: 0251 - 674413-21